Noch vor wenigen Jahren gab es kompakte Pkw mit aufklappbarem Dach überall zu kaufen – doch inzwischen gibt es Cabrios bei den bürgerlicheren Marken kaum noch, sie stehen nur noch bei Händlern der Premiumhersteller und in der Sportwagenklasse. Eine Ausnahme bleibt der Opel Cascada. Er ruft zwar die rationalen Gründe für den Cabrio-Verzicht ins Gedächtnis – liefert aber gleichzeitig emotionale Gegenargumente.

Das Stoffdach-Cabrio ist 4,70 Meter lang und hat damit Mittelklasseformat. Theoretisch kann der Cascada aus seinen großzügigen Dimensionen auch durchaus Gewinn ziehen. So bietet der Fond vergleichsweise viel Bein- und Schulterfreiheit. Wirklich bequem haben es Erwachsenenköpfe auf der Rückbank allerdings nur bei geöffnetem Dach – zumal es bei geschlossenem Verdeck dort finster ist. So bleibt auch der Cascada im Grunde ein Zweisitzer mit Zusatzsitzen.

Auch darüber hinaus ist der Opel wie jedes Cabrio seiner Klasse ein eher unpraktisches Auto. 380 Liter Kofferraumvolumen bei geschlossenem und 280 Liter bei geöffnetem Verdeck sind zwar akzeptabel, aufgrund der schmalen Öffnung aber nur eingeschränkt nutzbar. Immerhin passen zwei Wasserkisten auch bei Open-Air-Fahrt hinten rein.

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Diese Kritikpunkte sind für ein Cabrio nicht ehrenrührig, in dieser Klasse geht es nicht anders. Als Gegenleistung erhält der Cascada-Fahrer neben dem Vergnügen des Offenfahrens auch einen guten Schuss Luxusflair und Prestigegewinn. Auftritt und Aufmachung orientieren sich eher am Audi A5 Cabrio als am offenen Golf. Breit und geduckt steht er auf der Straße und strahlt genau die dynamische Eleganz aus, die auch bei den Premiummodellen gefragt ist.

Fahrleistung hält mit der Optik nicht Schritt

Hier merkt man, dass der Cascada für Opel weniger Absatzankurbler als vielmehr Image-Booster und Mutmacher nach der Krise zu Beginn des Jahrzehnts sein sollte. Das Preisgefüge entspricht dennoch der Marke: Mit 26.650 Euro ist der Cascada durchaus bürgerlich positioniert. Dann stehen allerdings nur 88 kW (120 PS) zur Verfügung. Unseren Testwagen mit dem 147 kW (200 PS) starken Benziner gibt es ab 30.850 Euro. Beides liegt grob auf dem Niveau des deutlich kürzeren VW Golf Cabrio – und Tausende Euro weg von den Preisen bei Audi, BMW oder Mercedes.

Ausreichend Beinfreiheit haben im Opel Cascada auch die Mitfahrer im Fond. © Hersteller

Dass die technische Basis vom Allerweltskompaktmodell Astra stammt, käme einem angesichts der selbstbewussten Statur nicht in den Sinn. Allerdings: Dabei handelt es sich nicht um den 2015 erfolgreich erneuerten Astra, sondern um das seit 2009 gebaute Vorgängermodell – nicht unbedingt die technische Speerspitze der Kompaktklasse. Größtes Problem des alten Astra und damit auch des Cascada ist das Übergewicht. Mindestens 1.700 Kilogramm bringt das Cabrio auf die Waage – da hat selbst unser 1,6-Liter-Turbobenziner, immerhin das stärkste Aggregat im Programm, ein wenig Mühe.

Wer angesichts der Optik besonders sportliche Fahrleistungen erwartet, wird darum enttäuscht. Knapp neun Sekunden benötigt der Vierzylinder, um den Wagen auf Tempo 100 zu beschleunigen. Da lässt man es gleich ruhiger angehen. Zum entspannten Cruisen passt das sanfte Fahrwerk hervorragend. Das macht Lust, einfach mal mit offenem Dach durch die Gegend zu mäandern. Innenstädte sollte man dabei aber eher meiden – vor allem wegen des kurios großen Wendekreises von 12,20 Metern. In Kombination mit der schlechten Rücksicht bei geschlossenem Verdeck wird das Rangieren zum Entspannungskiller.

Ein richtiges Alltagsauto ist eben selbst ein viersitziges Kompakt-Cabrio wie der Cascada nicht. Wer Wert auf Platz und praktischen Nutzen legt, fährt mit dem moderneren Astra-Fünftürer klar besser. Der offene Opel ist die etwas abseitigere Alternative. Gerade das aber könnte ihn wiederum für den einen oder anderen Käufer interessant machen. Große Absatzvolumina sind so allerdings nicht zu generieren. Angesichts dessen bleibt die bange Frage, ob der Cascada endgültig zu den letzten seiner Art zählt. Konkurrent Volkswagen hat sein Cabrio-Modell Eos bereits im vorigen Jahr eingestellt und im März nun auch das Ende der Stoffdach-Variante des Golf verkündet.

Technische Daten

Motorbauart: 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbobenziner, Frontantrieb, manuelles Sechsganggetriebe
Leistung: 147 kW (200 PS)
maximales Drehmoment: 280 Nm bei 1.700 bis 4.700 Umdrehungen pro Minute
Beschleunigung (0-100 km/h): 8,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h
Normverbrauch: 6,8 Liter je 100 Kilometer
CO2-Emission: 158 g/km
Testverbrauch: 8,0 Liter je 100 Kilometer
Preis: ab 30.850 Euro