Ein ICE fährt in der Nähe von Hannover über eine Bahntrasse. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Bahnreisende müssen sich auf Behinderungen auf der wichtigen ICE-Strecke zwischen Hannover und Kassel einstellen. Auf dem Streckenabschnitt habe die Deutsche Bahn eine "umfangreiche Sanierung" des Schotteroberbaus, auf dem Schwellen und Gleise liegen, für Ende April/Anfang Mai geplant, teilte das Eisenbahn-Bundesamt mit, die Aufsichtsbehörde für den Bahnbetrieb in Deutschland.

Offen ist aber, ob der Streckenbereich dafür zwischen 23. April und 8. Mai komplett gesperrt wird. Das hatte zunächst die Süddeutsche Zeitung (SZ) unter Berufung auf ein internes Papier der Bahnsparte DB Fernverkehr berichtet. Ein Bahnsprecher teilte in Berlin mit, das Unternehmen wolle "in Kürze" klarstellen, welche Einschränkungen auf Reisende zukommen. "Wir setzen uns im Augenblick damit auseinander, wie wir den Sanierungsbedarf beheben", sagte der Sprecher.

Die Bahnsparte Personenverkehr antwortete einem Nutzer im Kurznachrichtendienst Twitter, die Komplettsperrung sei eine von mehreren Varianten. Denkbar ist beispielsweise, dass die Strecke nur an bestimmten Tagen gesperrt wird. Auf der Bahn-Website wird bei Fahrkartenbuchungen schon auf deutliche Fahrtzeitverlängerungen und Umleitungen hingewiesen.

Der Konzern hatte für den Streckenbereich Hannover–Kassel schon im Februar Gleisarbeiten mit zeitweisen Totalsperrungen angekündigt, allerdings erst für den Sommer. Nun kommen offenbar Probleme mit dem Schotter hinzu. Er erlaube für die Hochgeschwindigkeitszüge bei Temperaturen über 25 Grad Celsius keine sichere Fahrt mehr, berichtete der Radiosender hr-iNFO unter Berufung auf Verantwortliche.

Die Trasse zwischen Hannover und Kassel gehört zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen des Landes, ist aber fast 30 Jahre alt. Wer zwischen München und Hamburg oder Frankfurt und Berlin unterwegs ist, nutzt oftmals die Verbindung zwischen Hannover und Kassel.

Hannover Messe sorgt sich um Anreise von Besuchern

Reisenden drohen damit Umleitungen und verlängerte Fahrzeiten. Der Fahrgastverband Pro Bahn zeigte sich von der Meldung überrascht. "Grundsätzlich waren Bauarbeiten auf einem Teilabschnitt angekündigt. Was wir als Kundenverband auch nicht verstehen, ist, dass man hier en détail sehr kurzfristig ankündigt", sagte Karl-Peter Naumann, der Ehrenpräsident von Pro Bahn. Das sei er von anderen Baumaßnahmen nicht gewohnt. Naumann geht davon aus, dass Reisende etwa eine Stunde mehr Fahrzeit einplanen müssen.

Betroffen von der Sperrung sind auch Gäste der Hannover Messe, die aus dem Süden mit dem Zug nach Hannover anreisen wollen. Die Industrieschau findet zwischen dem 25. und 29. April statt. "Gerade die Nord-Süd-Verbindung ist für unsere Besucher extrem wichtig", sagte ein Sprecher der Hannover Messe. Viele ausländische Besucher und Aussteller reisen über das Luftverkehrsdrehkreuz Frankfurt am Main und nehmen dort den Zug. "Zudem kommen viele wichtige Maschinenhersteller aus dem Süden Deutschlands", so der Sprecher. Die Messe will nun zunächst abwarten, wie sich die angekündigten Beschränkungen konkret auswirken werden.

Anfang Februar hatte die Bahn angekündigt, dass auf dem Abschnitt von Almstedt bis Nörten-Hardenberg (zwischen Hildesheim und Göttingen) von Mitte Juli bis Anfang September Weichen und Gleise erneuert werden sollen. Die Deutsche Bahn hatte damals das größte Modernisierungsprogramm ihrer Geschichte vorgestellt. Es umfasst Investitionen von insgesamt 28 Milliarden Euro in Erneuerung und Instandhaltung des Schienennetzes bis zum Jahr 2019. Die Zahl der Bauprojekte soll in diesem Jahr von 500 auf rund 850 Vorhaben steigen.