Zuerst hat es die Frontschürze erwischt. Eine Woche war Eddie Brinkmans Fünfer-BMW da gerade alt. "Einen Monat später hat der Wagen in einem weiteren Schlagloch einen Stoßdämpfer eingebüßt. Nach den Salz-, Dreck- und Splittorgien im Winter war der Lack auf Front und Haube mit Pickeln übersäht wie ein Teenager", erzählt der 43-Jährige. Das Blut steigt ihm auch vier Jahre später noch in den Kopf.

Brinkman wohnt nicht etwa in den staubigen Weiten Nebraskas oder Oklahomas. Seine Heimat ist Manhattan. "Aber die Straßen sind schlimmer als im Irak", da ist er sich sicher. Darum fährt Brinkman jetzt einen SUV – oder U-Bahn. Denn wo gibt es in Downtown schon einen Parkplatz?

Dass der Banker nur wenig übertreibt, hat er amtlich. Selbst das New Yorker Straßenbauamt bekennt freimütig, dass der Kampf gegen Megaschlaglöcher, bröselnden Asphalt und bröckelnde Brücken kaum noch zu gewinnen ist. Umgerechnet mehr als 40 Milliarden Euro würde es die Stadt New York kosten, die bestehenden Schäden nur zu reparieren. In West Harlems Viertel Nummer 9 im nördlichen Manhattan sind bereits zwei Drittel aller Straßen im mäßigen bis desaströsen Zustand.

Ziemlich marode ist aber auch die berühmte Park Avenue, die wie viele andere Lebensadern der Stadt fast durchgehend durch Baustellen, Unfälle und neue Straßenschäden malträtiert ist. "Die Park umfahre ich immer", sagt Brinkman. Anderswo ist der Verkehr aber auch nur wenig fließender. Und die Straßenbeläge sind ähnlich katastrophal. Die Straßenarbeiter kommen einfach nicht nach im Verkehrsmoloch der Stadt mit ihren fast zehn Millionen Einwohnern im Großraum.

Morsche Brücken, leere Kassen

Es rächt sich jetzt bitter, dass seit den achtziger Jahren nicht mehr nachhaltig in die Infrastruktur investiert wurde – weder in Neubau noch Erhaltung. So wie überall im Land. Laut dem US-Ingenieursverband American Society of Civil Engineers (ASCE) sind in den Vereinigten Staaten mehr als 150.000 Brücken einsturzgefährdet. Kein Wunder: Allein in New York zum Beispiel feierten 16 Brücken vor mehr als 100 Jahren Richtfest. Sieben Millionen Autos fahren dennoch täglich über Konstruktionen, die offiziell als "fracture critical" eingestuft sind, bruchgefährdet also.

Auf der Website der Straßenbehörde kann Eddie Brinkman den Zustand seiner Straße nach einem Rating eingestuft sehen und selbst akute Schäden melden – im Prinzip. Nur wann sich dann etwas tut, das steht in den Sternen. Immerhin hat Bürgermeister Bill de Blasio Verkehrsinvestitionen zu einem Schwerpunkt seiner aktuellen Amtszeit erklärt. Fehlt nur noch das Geld dazu.

Die New Yorker, so sie denn überhaupt ein eigenes Auto fahren, agieren aber schon jetzt so pragmatisch wie der Rest des Landes: Sie bewundern zwar die hochgezüchteten Mustangs oder tiefergelegten AMG-Mercedes – aber kaufen vor allem Hochbeiniges. Die Hälfte aller Privatverkäufe sind Pickup-Trucks. In den Vorstädten und Citys sollen es SUV richten.

Doch auch Brinkman ist klar, dass sein X6 die New Yorker Straßenprobleme nicht löst. Und unter dem Asphalt liegen erst die wirklichen Gefahren: mehr als 1.500 Kilometer Hauptwasserleitungen, Baujahr 1900 oder früher, ähnlich lieblos gewartet wie die Straßen darüber. Allein im Jahr 2015 gab es deswegen mehr als 400 große Wasserrohrbrüche in New York. Mit Belagskosmetik ist nichts mehr zu retten, wenn die halbe Fahrbahn ins Wasser fällt.

Vielleicht feiert ja auf der nächsten New York Auto Show das Amphibienfahrzeug ein Comeback? Eddie Brinkman könnte sich womöglich dafür begeistern.