Wenn die Autos künftige Abgas- und Verbrauchsgrenzen einhalten sollen, geht das nur, indem man zum Antrieb Strom nimmt, zumindest zeitweise. Diese Erkenntnis gilt vor allem für größere Modelle. Ohne Hybridisierung werden sie kaum in der Lage sein, Verbrauchswerte um vier Liter oder darunter zu erreichen. Genau deshalb kommen immer mehr Plug-in-Hybridmodelle auf den Markt, Fahrzeuge also, die rein elektrisch fahren können, weil ihre Batterie groß genug ist und an einer Steckdose geladen wird, die aber auch einen normalen Motor haben.

Die Technik ist teuer, weshalb die Hersteller sie gern mit hohen Leistungswerten ergänzen, damit der Kaufanreiz gleichermaßen durch Spaß- wie Sparpotenzial ausgelöst wird. Bei VW heißen die entsprechenden Modelle GTE. Das klingt nach GTI, und ein wenig vom sportiven Glanz der Golf-Ikone soll damit auch auf die teilelektrisierten Fahrzeuge fallen. Das unterstreicht VW beim Passat GTE mit allerlei optischem Zierrat wie Chrom- und Aluminiumeinsätzen, GTE-Schriftzügen und der Farbe Blau. Diese verschönert die LED-Scheinwerfereinfassungen und den Kühlergrill, im Inneren gibt es eine blaue Ambiente-Beleuchtung.

Im so etwas unterkühlten Innenraum ist neben dem Schalthebel für das DSG-Getriebe ein GTE-Schalter platziert. Drückt man darauf, arbeiten Elektromotor (85 kW/115 PS) und Benziner (115 kW/156 PS) zusammen und schöpfen die Systemleistung von 160 kW (218 PS) voll aus. Dann beschleunigt der getestete Passat GTE Variant – also die Kombiversion – sportlich. Das allerdings geht zulasten der Batterie. Der 9,9 kWh große Akku leert sich dann deutlich schneller und konterkariert so die Sparmöglichkeiten des Wagens.

Die sind vor allem gegeben, wenn man kurze Strecken fährt. Bis zu 42 Kilometer Reichweite verspricht der Bordcomputer. Unter winterlichen Bedingungen waren es in der Realität 25, die man rein mit Strom fahren konnte. Allerdings auch mit winterlichen Einschränkungen. Der kleine Trip zum vier Kilometer entfernten Supermarkt wird mit dicker Jacke und Sitzheizung absolviert – keine Chance, dass die Fahrzeugheizung in der Zeit das Auto erwärmt bekommt. Für die Rückfahrt muss man das Gebläse mit vollem Einsatz laufen lassen, weil die Klimaanlage mangels Heizwirkung keine Chance hat, den Innenraum zu entfeuchten. Dreht man alles hoch, geht die Reichweite runter.

Dennoch: Wer im nahen Umkreis um die Steckdose die meisten seiner täglichen Kilometer absolviert, kommt mit dem Strombetrieb gut zurecht. Und wenn die Fahrt mal über 100 Kilometer geht, springt eben der Vierzylindermotor an, und der Passat fährt wie ein normaler Pkw.

Langer Kombi als Hybrid – ein Widerspruch in sich

Nutzt man dabei den Strom der Batterie für die ersten Kilometer, bleibt ansonsten im Rahmen der Richtgeschwindigkeit und aktiviert den Eco-Modus, dann sind Verbrauchswerte um vier Liter je 100 Kilometer zu schaffen. Der gleichermaßen gefahrene Rückweg ohne Zwischenladen von Strom wird dann mit rund sechs Litern je 100 Kilometer absolviert. Damit erreicht man ein Verbrauchsniveau, das man auch mit dem 110 kW (150 PS) starken und um über 11.000 Euro günstigeren TSI anstreben kann.

Der Normwert von 1,9 Litern plus 12,9 Kilowattstunden Strom für 100 Kilometer liegt auf jeden Fall in weiter Ferne. Nutzt man auch noch den angebotenen Fahrspaß, steigt der Verbrauch auf Werte zwischen acht und elf Litern, je nach Gewicht des Gasfußes. Dann ist der GTE eben ein normaler Benziner mit der zusätzlichen Last der Batterie. Schließlich bringt der Passat Variant als Plug-in-Hybrid rund 300 Kilogramm mehr auf die Waage als die 150 PS starke TSI-Version.

Der GTE ist aber auch ein normaler Passat – wenn auch mit kleinerem Kofferraum: Im Vergleich zum konventionell angetriebenen Kombi stehen statt 650 bis 1.780 nur 483 bis 1.613 Liter zum Beladen bereit. Trotzdem: Der Passat GTE Variant ist ein sehr gutes, bequemes und ziemlich großes Langstreckenauto. Doch genau da kommt die Plug-in-Technik an ihre Grenzen. Wer ein großes, komfortables Langstreckenauto sucht, braucht keinen Hybrid. Wer andererseits überwiegend lokale Kurzstrecken fährt und dabei emissionslos unterwegs sein will, braucht in aller Regel kein so großes Auto und wäre mit dem Golf GTE – gleiche Technik und geringere Anschaffungskosten – vermutlich besser bedient.

Sinnvoll werden Fahrzeuge wie der Passat GTE erst, wenn Städte angefahren werden, deren Einfahrt nur E-Mobilen gestattet ist. Dann kann man den Speicher unterwegs aufsparen und im Stadtverkehr nutzen. In Europa wäre auf der Langstrecke der Diesel besser. Im Rest der Welt tut der sich bekanntlich schwer, weshalb VW den GTE auch mit einem Otto- und eben nicht mit einem Dieselmotor kombiniert. Zudem wäre damit das Fahrzeug noch teurer.

Die 45.250 Euro, die Volkswagen als Mindestpreis für den teilelektrischen Passat Variant verlangt (mit viel Luft nach oben beim Betrachten der Preisliste), machen ihn auch jetzt schon zum Vorzeigeauto von Besserverdienenden mit grünem Gewissen.

Technische Daten

Bauart: Plug-in-Hybridantrieb mit Sechsgang-DSG
       1,4-Liter-Turbobenziner, 115 kW (156 PS)
       Elektromotor, 85 kW (115 PS)
Systemleistung: 160 kW (218 PS)
Beschleunigung (0-100 km/h): 7,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h (130 km/h elektrisch)
Normverbrauch: 1,7 Liter Benzin je 100 Kilometer plus 12,9 kWh Strom
CO2-Emission: 39 g/km
Stromspeicher: Lithium-Ionen-Batterie mit 9,9 kWh
Elektrische Reichweite: bis zu 50 Kilometer
Preis: ab 45.250 Euro