Tesla Model X mit Flügeltüren auf dem Genfer Autosalon © Matthias Knödler/SP-X

Wenn im Sommer, ab Juni oder Juli, die ersten Model X von Tesla auf deutschen Straßen fahren, werden sie einiges an Aufmerksamkeit erregen. Dass der SUV bis 250 km/h elektrisch fährt, dürfte dabei auf den ersten Blick für die Umstehenden weniger spannend sein als die Performance im Stand, wenn sich die Falcon Wings genannten Türen öffnen. Es ist schon ein spezielles Schauspiel, wie sich die doppelt abknickenden Flügeltüren gemächlich in die Höhe schieben. "Das hat sonst keiner" scheint eine Maxime zu sein, auf die man bei Tesla besonderen Wert legt.

Beim Model S, dem ersten in größeren Stückzahlen hergestellten Fahrzeug des amerikanischen E-Autobauers, waren es unter anderem die atemberaubende Beschleunigung aus dem Stand (von 0 auf 100 km/h in drei Sekunden) und der riesige Bildschirm in der Mittelkonsole, die die Limousine mit dem Haben-Will-Faktor versahen. Beides ist nun im Model X Standard. Der SUV verfügt in der 131.000 Euro teuren Version P90D über 391 kW (532 PS) und rast in 3,4 Sekunden auf 100 km/h. Der riesige Bildschirm, über den fast alle Fahrzeugfunktionen gesteuert werden, ist wieder serienmäßig.

Auf dem Genfer Autosalon gewährt Tesla der europäischen Öffentlichkeit zurzeit zum ersten Mal einen Blick in den siebensitzigen E-SUV. Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck, die hochwertig aussehenden Applikationen aus offenporigem Holz haben sich die Amerikaner bei anderen Premiumherstellern abgeschaut.

Cockpit des Tesla Model X © Matthias Knödler/SP-X

Ein Highlight im Cockpit ist die weit nach oben gezogene Windschutzscheibe, auf die man bei Tesla besonders stolz ist. Für Fahrer und Beifahrer ergibt das ein sehr luftiges Raumgefühl. Wie sehr allerdings beim Fahren eventueller Sonnenschein stört, bleibt abzuwarten. Als Schutz vor zu viel Licht ist die Scheibe zum Teil getönt, zudem kann man eine herkömmliche Sonnenblende auf der Scheibe arretieren – was im ansonsten netten Innenraum allerdings ziemlich hässlich ist und nach Billiglösung aussieht.

Beim Model X wurden Wünsche von Model-S-Kunden berücksichtigt. So gibt es nun zwischen Fahrer- und Beifahrersitz eine Mittekonsole mit Becherhalter und Ablagefach, zudem können die Sitze nicht nur geheizt, sondern auch gekühlt werden. Der Kunde kann zwischen einer Konfiguration mit sieben oder etwas luftiger gestellten sechs Sitzen wählen. Weil die Sessel in der mittleren Reihe auf einzelnen Podesten angebracht sind, lassen sie sich einzeln verschieben und justieren. Sind die beiden hinteren Sitze umgeklappt, beträgt das Kofferraumvolumen (inklusive des Fachs unter der Motorhaube) beachtliche 2.180 Liter.

Die schon erwähnten Flügeltüren sollen einen komfortablen Zutritt zu den beiden hinteren Sitzreihen bieten. Und in der Tat: Weil sich die Türen komplett nach oben wegfalten, gelingt der Einstieg mindestens so bequem wie durch die Schiebetür eines großen Vans. Angst, dass die Türen in engen Parklücken andere Autos beschädigen, muss man laut Tesla nicht haben: Sensoren an der Türseite scannen vorher die Umgebung und öffnen nur, wenn genügend Platz vorhanden ist – oder stoppen, bevor die Garagendecke erreicht ist. Ausreichend, damit sich die Konstruktion nach oben falten kann, sind 30 Zentimeter Abstand zwischen Tür und Nachbarauto. Mit einer herkömmlichen Tür müsste man sich schon ziemlich schlängeln, um dort herauszukommen.

Auch die vorderen, sich herkömmlich öffnenden Türen bieten einen Clou: Nähert sich der Fahrer mit dem Schlüssel in der Tasche, öffnet sich die Fahrertür automatisch. Man nimmt Platz, tritt die Bremse – und die Tür schließt sich wieder, ohne dass der Fahrer einen Befehl dazu geben müsste. Auch hier sorgen Sensoren dafür, dass die Tür nirgendwo aneckt. Dass die Portale dabei nicht so satt ins Schloss fallen wie bei anderen Premiumherstellern, dürfte den Tesla-Käufer bei so viel Show wenig stören.