Elon Musk schien selbst überrascht zu sein von den Ereignissen der letzten Stunden. "Es sieht so aus, als müssten wir die Produktion noch mal überdenken", tweetete der Tesla-Chef ausgerechnet am 1. April. Da hatte er gerade die neuesten Zahlen zu seinem Model 3 bekanntgegeben und knapp 200.000 Vorbestellungen gemeldet – etwas mehr als 24 Stunden, nachdem der Wagen in Kalifornien vorgestellt worden war. Nach sieben Tagen waren es 325.000. Es sei die Woche, hieß es auf dem Firmenblog, "in der das Elektroauto Mainstream wird".

Tatsächlich sind die Zahlen in der Autobranche ohne Beispiel. Die 12.000 Vorbestellungen für den Citroën DS an dessen ersten Ausstellungstag im Jahr 1955 galten in der Branche bis zuletzt als unerreichbare Marke. Selbst Nissan hat von seinem Leaf, dem bisher erfolgreichsten Elektromodell, seit dem Start 2010 weltweit gerade mal 211.000 Modelle verkauft. Sollten sich die Vorbestellungen in Verkaufszahlen niederschlagen, hätte Tesla auf einen Schlag 14 Milliarden Dollar Umsatz gemacht.

Medien und Fans feiern den Hersteller aus dem Silicon Valley angesichts dieser Zahlen als "Apple der Autobranche". Elon Musk, der sein Vermögen mit dem Bezahldienst Paypal machte und die erste Finanzierungsrunde für sein Autoprojekt fast im Alleingang stemmte, gilt für viele als der wahre Erbe von Steve Jobs. Mit seinem Startup habe Musk die trägen Schwergewichte aus Detroit, Tokio und Stuttgart gezwungen, sich erstmals seit vielen Jahren ernsthaft mit der Zukunft des Autos zu beschäftigen. Jetzt soll er sein altes Versprechen einlösen und mit dem ersten Tesla für die Massen die Autobranche ähnlich umkrempeln wie Apple einst die Handyhersteller.

Tesla häuft seit Jahren Verluste an

Das allerdings ist eine Mammutaufgabe, auch für Musk. Weltweit liegt der Marktanteil von Elektroautos bei rund einem Prozent. Bislang spielt sich das Geschäft vor allem in China ab, wo allein 2015 rund 300.000 Wagen verkauft wurden. Auf dem wichtigen US-Markt tun sich die Modelle dagegen nach wie vor schwer. Seit 2008 wurden 410.000 Elektroautos verkauft, 200.000 davon in Kalifornien – ein Bruchteil der mehr als 7,5 Millionen Fahrzeuge, die die Amerikaner allein 2015 kauften. Zuletzt verloren die elektrischen Alternativen auch noch an Fahrt, weil die Kunden sich angesichts anhaltend niedriger Benzinpreise lieber für Pickup-Trucks und SUVs entschieden.

Tesla - Und dann Warten Durch den Hype um das neue Model 3 hat der Elektroautohersteller Tesla ein Problem: die hohe Nachfrage.

Für Tesla geht es nicht nur um die Zukunft des Elektroautos, sondern auch um die eigene. Bislang hat die Firma etwas mehr als 100.000 Wagen verkauft. Die Modelle galten als Liebhaberwagen für die Angestellten der Internet-Firmen, die dank wertvoller Aktienpakete das nötige Kleingeld hatten. Entsprechend gleichen auch die Finanzen des Autobauers eher denen der Tech-Startups als denen von General Motors oder BMW: Seit vor acht Jahren mit dem Roadster das erste Modell vom Band rollte, hat Tesla in jedem Quartal Verluste geschrieben.

Ungeduldige Beobachter sprachen angesichts einer Börsenbewertung von 32 Milliarden Dollar von einer Blase, die schon bald platzen könne. "Der Erfolg des Model 3 wird über Sieg oder Niederlage von Tesla entscheiden", sagt Peter De Lorenzo, der Gründer des Autoblogs The Autoextremist und selbst ein Branchenveteran.