Bei Audi will man die Erkenntnis von Daimler-Chef Zetsche, dass Frauen der Markt der Zukunft seien und man sich folglich stärker um diese Zielgruppe kümmern müsse, nicht bestätigen. Wer den Kaufvertrag unterschreibe und welcher Name im Fahrzeugschein stehe, sei für die Marke nicht ausschlaggebend.

"Wir entwickeln und designen unsere Autos mit dem Anspruch, dass sie Frauen und Männer gleichermaßen begeistern", erklärt Audi-Sprecher Moritz Drechsel und widerspricht seinen Stuttgarter Kollegen: "Wir sehen nicht, dass es klassische, von Frauen bevorzugte Modelle oder Ausstattungsvarianten gibt."

Mini wiederum erklärt den eigenen Erfolg unter Frauen mit rationalen und emotionalen Argumenten. Auf der rationalen Seite hätten Frauen eine ausgeprägte Sensibilität für aktuelle Themen wie den Umwelt- und Klimaschutz. Sie seien auch stärker bereit als Männer, sich auf diesen Gebieten zu engagieren. Das fördere den Trend zu sparsamen, aber durchaus hochwertigen Autos wie dem Mini, heißt es aus der Marketingabteilung der BMW-Tochter.

Gut aussehen müsse der Wagen aber auch. "Frauen wollen kein niedliches Frauenauto, sondern stehen auf maskuline Formen", erklärt man in München. Kräftig gebaut solle der Wagen sein und ein Gefühl der Sicherheit vermitteln.

Frauen sind sparsamer

Die Marketingstrategen sind sich also nicht einig, ob es spezielle Strategien braucht, um die Herzen der Autofahrerinnen zu erobern. Dass Frauen aber für das künftige Autogeschäft wichtig sind, zweifelt niemand an. Manche Branchenkenner sprechen bereits vom "Jahrhundert der Frauen" und meinen damit die zunehmende Motorisierung des weiblichen Geschlechts.

So sagen die Verfasser der Shell-Studie Pkw-Szenarien bis 2040 einen "Aufholeffekt" voraus: In 25 Jahren sollen 414 von 1.000 Frauen einen eigenen Personenwagen besitzen. Heute sind es nur 351. Demgegenüber werden Männer in der Autowelt offenbar kontinuierlich an Bedeutung verlieren. Ihr Pkw-Besitz soll sich bis 2040 durchschnittlich um rund sechs Prozent verringern.

Die Shell-Studie verrät allerdings nicht, was dieser Trend für die Autohersteller genau bedeutet. Zwar werden die Firmen in Zukunft mehr Neuwagen an weibliche Kunden verkaufen, doch fraglich bleibt, ob sie damit auch ihren Umsatz steigern können. Denn Frauen investieren deutlich weniger: Während Männer knapp 33.000 Euro fürs neue Auto ausgeben, entscheiden sich Frauen vor allem für kleine, preiswerte Modelle und bezahlten dafür laut DAT-Report im letzten Jahr nur durchschnittlich 20.000 Euro. Das waren 720 Euro weniger als 2014.

An diesem Unterschied zwischen den Geschlechtern dürfte sich nur wenig ändern, solange Frauen deutlich weniger Lohn und Gehalt bekommen als ihre männlichen Kollegen. Derzeit liegt der sogenannte Gender Pay Gap nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im EU-Durchschnitt bei rund 16 Prozent. In Deutschland verdienen Frauen sogar 21 Prozent weniger – ein Wert, der sich in den letzten zehn Jahren nur um zwei Prozentpunkte verringerte.

Bleibt es bei dieser großen Lohnlücke zwischen den Geschlechtern, dürften deutsche Autohersteller wahrscheinlich auch weiterhin nicht in der Gunst der weiblichen Autokäufer stehen. Ihre Modelle sind den meisten Frauen schlichtweg zu teuer. Dieter Zetsches China-Effekt wird also womöglich spürbar kleiner ausfallen als erhofft.

*Name geändert