Die Deutsche Bahn arbeitet an Zügen ohne Lokführer. "Ich rechne damit, dass wir 2021, 2022 oder 2023 so weit sind, dass wir in Teilen unseres Netzes vollautomatisch fahren können", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Das autonome Fahren ist in einem komplexen Schienensystem, in dem schnelle und langsame Personenzüge sowie Güterzüge fahren, schwieriger als bei einer U-Bahn – aber es ist möglich. Die ersten Pilotprojekte laufen, ein Testfeld haben wir bei der Erzgebirgsbahn aufgebaut."

Demnach hofft Grube, dass die Arbeitnehmervertreter die Projekte unterstützen. "Auch Betriebsräte und Gewerkschaften erkennen, dass sich durch die Digitalisierung die Welt verändert", sagte er. Wenn die Bahn wettbewerbsfähig bleiben solle, müsse gehandelt werden. "Sonst werden wir in der Produktivität immer mehr ins Hintertreffen geraten. Wir wollen aber die Kunden mit moderner Technik begeistern."

Im vergangenen Jahr hatte Grube angekündigt, dass die Bahn autonom fahrende Züge plane. "Ja, wir können uns vorstellen, dass in Zügen irgendwann keine Lokführer mehr sitzen", sagte er im November. Einen Zeitpunkt nannte er damals nicht, sagte aber: "Wir wollen nicht erst nach der Automobilindustrie autonom fahren, sondern vorher." Im Mai dieses Jahres zitierte ihn die Wirtschaftswoche dann mit den Worten, in zehn bis 20 Jahren könnten Züge autonom fahren. Nun will die Bahn ihre Pläne offenbar schneller umsetzen.

In Deutschland gibt es bisher wenige Pilotprojekte, in denen Bahnen autonom fahren. So verkehrt in Nürnberg die Linie 3 der U-Bahn seit 2008 ohne Fahrer. Einige Jahre länger verkehrt auf dem Frankfurter Flughafen die Hochbahn SkyLine, die täglich bis zu 25.000 Passagiere automatisch transportiert. Weltweit sind es bisher vor allem S- und U-Bahnen, die autonom fahren, etwa in Lille, Vancouver oder London. Hier plant Grube auch die ersten Fahrten der Deutschen Bahn. Der Welt sagte er im vergangenen Jahr: "Ein erster Einsatz ist am ehesten dort vorstellbar, wo es auf dem Schienennetz keinen Mischbetrieb gibt, zum Beispiel bei S-Bahnen."

Autonome Züge seien aber nur ein Teil der Digitalstrategie, mit der er das Unternehmen reformieren wolle, sagte Grube der FAZ. So will das Unternehmen künftig Daten besser nutzen, die es sammelt. Die Bahn arbeite etwa mit Start-ups zusammen, um datenbasierte Geschäftsmodelle zu fördern. Dabei sollen auch Teile des Konzerns neu strukturiert werden. "Wir planen die Gründung einer sogenannten Digital Ventures GmbH, weil uns seit Längerem klar ist, dass Start-ups ein eigenes Umfeld brauchen", sagte Grube. Mögliche neue Geschäftsbereiche seien etwa eine digitale Mobilitätskarte oder der elektronische Handel.