"Liebe Unterstützer! (…) Heute wissen wir sicher, dass wir nicht dazu in der Lage sein werden, unser Versprechen in vorhersehbarer Zukunft zu erfüllen. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, das Geld an alle verbliebenen Unterstützer zurückzuzahlen." Diese Erklärung konnte man lange auf der Website der Kickstarter-Kampagne von Lock8 (gesprochen: locate) lesen. Lock8 sollte ein smartes Fahrradschloss sein, das Alarm schlägt, sobald es jemand knacken will. Außerdem hätten Kunden ihr eigenes Rad samt Schloss über eine Smartphone-App vermieten können. Zwei Studenten, Franz Salzmann und Daniel Zajarias-Fainsod, hatten Lock8 entwickelt, nachdem ihnen selbst in Oxford ihre Rennräder gestohlen wurden.

Tolle Idee, aber war Lock8 dann doch nur ein reiner Flopp? Was die Nachricht vermuten ließ, war nicht der Fall. In der Entwicklungsphase und durch weitere Recherchen des Gründungsteams hat sich Lock8 komplett gewandelt. Aus einem Schloss und einem Fahrradverleih für Privatpersonen wurde eine Mobilitätslösung für Großunternehmen. Im Zuge dieses Wandels wurde das Start-up auch umbenannt:

1. Noa

Lock8 heißt nun Noa. Drei ihrer große Kunden sind im Silicon Valley, darunter auch das Karrierenetzwerk LinkedIn. "Wir bieten jetzt Car2go für Fahrräder an", sagt Noa-Sprecherin Nathalie Sonne. Es gibt also keine fixe Fahrradstation wie man von verschiedenen Stadtrad-Vermietungsmodellen in Deutschland kennt. Die Räder werden einfach am Zielort abgestellt.

LinkedIn hat beispielsweise für seine Mitarbeiter im Silicon Valley 250 Räder samt zugehöriger Tracking-Software bestellt. GPS ist im Fahrradrahmen wasserdicht integriert. Über die zugehörige App können die Mitarbeiter ein Rad orten und mieten. Das ist interessant für Unternehmen mit großen Fahrradflotten oder auch Universitäten mit einem großen Campus. Das Angebot wird nach Angaben von Noa gut angenommen. In Paris und Barcelona wird ein einzelnes Fahrrad pro Tag etwa sechsmal ausgeliehen. Die Städte sind Europas Vorreiter beim öffentlichen Fahrradverleih. Nach dem nächsten Start in den USA will Noa 2017 auch auf den deutschen Markt.

2. Cobi

Auch Cobi, eine Abkürzung für Connected Biking, hat 2014 bei der ersten Kickstarter-Kampagne kräftig abgeräumt. Cobi verbindet verschiedene Techniken von der Navigation zur Lichtanlage, Fahrradklingel bis zum Diebstahlschutz. Die Idee traf offenbar den Zeitgeist. Statt der erhofften 100.000 Dollar kamen innerhalb der 30 Tage 400.000 Dollar zusammen. Bereits im Herbst 2015 wollte Geschäftsführer Andreas Gahlert die ersten Serienräder mit Cobi vorstellen. Daraus wurde aber nichts. "Die Software hätten wir im Herbst launchen können", sagt Gahlert. Aber die Hardware sei noch nicht serienreif gewesen.

Er erklärt das so: Cobi sei komplizierter als ein Smartphone, weil es Wasser, Schmutz und Matsch aushalten muss sowie Testszenarien bei Temperaturen bis zu 60 Grad und unterschiedlichen Höhen bestehen musste. Dutzende Zertifikate seien nötig gewesen. All diese Tests kosteten Zeit. Anfang Juni hieß es dann auf der Website: "Der Countdown läuft: Cobi steht kurz vor Serienproduktion. Die ersten serienreifen Cobi-Systeme haben das Hauptquartier des High-Tech- Start-ups in Frankfurt erreicht und werden bereits an ausgewählte Kickstarter übergeben."

Die Unterstützer reagieren dennoch teils genervt: "Könnt ihr wenigstens sagen, ob die Menge die ihr bekommen habt, bis Unterstützer Nr. 291 reicht bzw. welche Menge verteilt wird?", kommentiert einer. Schnell stand fest: Für ihn reichte es nicht. Aber Gahlert versichert, dass Cobi in ein paar Wochen ausgeliefert werde. Es dauere keine Monate mehr. Er könne verstehen, dass Kunden ungeduldig würden. Aber er findet auch: Gute Qualität braucht Zeit. Darum verweist er auf den Start-up-Charakter des Unternehmens. Nicht jeder Unterstützer hat dafür aber Verständnis: "Statt Hochglanzwerbung wäre eine echte Bestandsaufnahme mit nachvollziehbaren Terminzusagen sicher besser als Schweigen im Wald oder vage Entschuldigungen", schimpft ein Nutzer auf Facebook. "Die Saison hat längst wieder begonnen, für einige schon die zweite, ohne etwas in den Händen zu halten. Alles andere als transparentes Geschäftsgebaren." Gahlert verweist auf die nun höhere Qualität des fertigen Produkts. Aber jetzt muss er liefern.