"Es wird in wenigen Jahrzehnten kaum mehr Industrieprodukte geben, in welche die Computer nicht hineingewoben sind, etwa so, wie das Nervensystem in Organismen hineingewoben ist." Man schrieb das Jahr 1966, als der deutsche Informatikpionier Karl Steinbuch mit diesem Satz eine Welt voraussagte, in der Computer die Menschen durch ihren gesamten Alltag begleiten werden. Damit galt Steinbuch als Visionär.

Ein Vierteljahrhundert später, 1991, griff der US-Informatiker Mark Weiser die Idee des deutschen Wissenschaftlers wieder auf und sprach von "ubiquitous computing", also allgegenwärtigen Computern. In einem Zeitschriftenbeitrag skizzierte Weiser den Tagesablauf einer imaginären Frau, die künstliche Intelligenz in einem vernetzten Haus für alle Aufgaben einsetzt: von der Programmierung der Kaffeemaschine bis zum Blick in einen "foreview mirror", der sie über die Verkehrslage auf dem Weg zur Arbeit informiert.

Jetzt wird diese vernetzte Welt langsam Wirklichkeit. Man spricht vom Internet der Dinge, und vor allem die Autohersteller finden Gefallen an Mark Weisers Ideen. BMW präsentiert heute ein Smart Home, in dessen Netzwerk das Auto eine zentrale Rolle spielen soll. Weisers foreview mirror heißt bei BMW "Mobility Mirror" und informiert den Autobesitzer morgens nicht nur über seine Termine und Aufgaben, sondern zeigt auch den Ladezustand des Elektroautos an und nennt anhand aktueller Verkehrsdaten die richtige Abfahrtzeit, um pünktlich im Büro anzukommen. Greift der BMW-Kunde dann zum Autoschlüssel, soll sich das Garagentor öffnen und der BMW vollautomatisch herausfahren.

"Unser Ziel ist die nahtlose Vernetzung unserer Kunden mit ihrem Fahrzeug, der Umwelt und individuellen Services", sagt BMW-Vorstand Klaus Fröhlich und erklärt diese "direkte Interaktion" zu einer Aufgabe von "entscheidender Bedeutung". Die smarte Zukunft soll schon bald beginnen: Über den neuen personalisierten Dienst BMW Connected will der Münchner Autohersteller noch in diesem Jahr "die besten Services im Wettbewerb" anbieten.

Das Auto nimmt das Paket entgegen

Doch auch die Konkurrenz ist auf diesem Gebiet aktiv. Insgesamt 18 Milliarden Euro investieren Deutschlands Autohersteller und ihre Zulieferer in den nächsten drei Jahren, um das Auto zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Internets der Dinge zu machen. "Unsere Vision ist ein intelligentes Auto in einer Smart City. Alles ist im Flow und miteinander synchronisiert", sagt Audi-Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler. Er beschreibt die Pkw-Modelle von morgen als "nützliche digitale Begleiter durch den Tag".

Mit anderen Worten: Bietet das Auto bisher nur den Monitor, auf dem die Apps des Smartphones erscheinen, soll es schon bald eine aktive Schnittstelle zum Leben moderner Menschen werden und ihnen helfen, den Tagesablauf besser zu organisieren. Ein Beispiel dafür ist das Pilotprojekt zwischen Audi, Amazon und DHL: Das Auto sendet seine Standortdaten an den Paketzusteller und ermöglicht ihm via App, den Kofferraum zu öffnen. So erhalten Amazon-Kunden ihre Einkäufe an jedem beliebigen Ort. Das Leben wird einfacher, weil Auto, Paketdienst und Versandhändler vernetzt sind. Auch Volvo entwickelt derzeit ein solches System zusammen mit einem Lieferdienst.

Wenn das Auto zum Internet der Dinge gehört, lassen sich nach Meinung von Audi-Chef Stadler schon bald völlig neue Geschäftsmodelle realisieren. Weil irgendwann kein Fahrer mehr benötigt wird, sollen Personenwagen im Jahre 2030 beispielsweise alleine zum Supermarkt fahren und dort die Lebensmittel abholen, die der Autobesitzer zuvor online bestellt und bezahlt hat.

Wie konkret Autohersteller an der Realisierung solcher Visionen arbeiten, zeigt die Zusammenarbeit zwischen Audi und dem Connectivity-Spezialisten Cubic Telecom. Das irische Unternehmen bietet die Plattform, die von WLAN bis LTE alle gängigen Netzwerktechnologien integriert und eine nahtlose Verbindung zwischen den Autos und den rund 26 Milliarden anderen Geräten herstellt, die von 2020 an im Internet der Dinge vernetzt sein sollen.