Die Debatte über die Sicherheit von Assistenzsystemen, die Autofahrern das Steuern des Wagens abnehmen sollen, ist neu befeuert: Wie erst jetzt bekannt wurde, starb bereits am 7. Mai der 40-jährige Fahrer eines Tesla Model S in Florida, als sein Wagen auf trockener Straße mit einem Sattelschlepper zusammenstieß. Bei dem Unfall steuerte der Computer den Pkw.

Was ist passiert?

Das Elektroauto war mit dem aktivierten Autopilot auf einer mehrspurigen Schnellstraße unterwegs, als ein Lkw an einer Kreuzung die Fahrspur des Model S querte, wie Tesla mitteilte. Im hellen Tageslicht hätten weder die Sensoren des Autopiloten noch der Fahrer die weiße Flanke des Aufliegers wahrgenommen – darum sei im Model S die Bremse nicht betätigt worden. Der Wagen sei unter den Lkw geraten, dabei habe dessen Unterkante die Windschutzscheibe des Teslas getroffen. Der Wagen kam von der Straße ab und kollidierte mit einem Strommast.

Tesla-Gründer Elon Musk erklärte den Angehörigen des Toten auf Twitter sein Beileid. Noch im April hatte der nun tödlich verunglückte Fahrer den Autopiloten gelobt, nachdem dieser einen Unfall mit einem Lkw auf einer Schnellstraße verhindert habe.


Tesla informierte nach eigenen Angaben unmittelbar nach dem Unfall die US-amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA. Diese hat Ermittlungen aufgenommen: Der Vorfall verlange eine "Untersuchung des Designs und der Wirkungsweise" aller Fahrassistenzsysteme zum Zeitpunkt des Unfalls, teilte die NHTSA mit. Sie will zudem rund 25.000 Model S überprüfen, die mit dem Autopiloten ausgestattet sind. Dies ist der erste Schritt, bevor die Behörde einen Rückruf anordnen kann, wenn sie Autos für unsicher hält.

Es ist laut Tesla der erste tödliche Unfall mit dem System. Allerdings berichteten Kunden schon vorher immer wieder über mehrere Beinahe-Unfälle, davon zeugen auch selbst gedrehte Videos auf YouTube. Erst kürzlich wurde ein Fall aus der Schweiz bekannt, wo ein Model S auf einen Lieferwagen auffuhr, weil der Autopilot nicht bremste.

Wie funktioniert der Autopilot von Tesla?

Wird das System eingeschaltet, hält der Wagen auf mehrspurigen Straßen außerhalb von Ortschaften sich automatisch zwischen den Fahrbahnmarkierungen auf der Spur und zugleich konstant einen sicheren Abstand zum Fahrzeug vor ihm. Das System kann beschleunigen, die Spur wechseln und bremst im Notfall.

Für die Funktionen nutzt das System Radar- und Kameratechnik an der Front des Wagens sowie zwölf Ultraschallsensoren für eine Rundumüberwachung. Bei dem tödlichen Unfall in Florida könnte für Kameras der weiße Anhänger vor einem hell ausgeleuchteten Himmel eine Herausforderung gewesen sein, für den Radar sollte das eigentlich kein Problem darstellen. Die Fahrzeuge zeichnen während der Fahrt alle möglichen Daten auf und übertragen sie an Tesla. Das Unternehmen nutzt diese Informationen dazu, die Technik zu verbessern.

Tesla verbaut die Hardware schon seit Herbst 2014 serienmäßig in den Fahrzeugen; die für den Autopiloten notwendige Software bietet der kalifornische Autobauer seit Oktober 2015 an. Um sie nutzen zu können, muss der Kunde einen Aufpreis zahlen. Dann wird die Software freigeschaltet. Die Bezeichnung "Autopilot" ist allerdings irreführendes Tesla-Marketing: Ein vollautomatisiertes Fahren, das ohne menschlichen Fahrer auskommt, ist aus rechtlichen Gründen noch nicht erlaubt. Womöglich führt die Bezeichnung aber dazu, dass sich Fahrer in falscher Sicherheit wiegen.