In Deutschland neu zugelassene Autos stoßen zwar weniger Kohlendioxid aus als früher – doch die Emissionen des klimaschädlichen Gases sinken zunehmend langsamer. Schuld daran ist vor allem die verstärkte Nachfrage nach SUVs, die mehr Sprit verbrauchen und deshalb mehr CO2 erzeugen. Zum anderen wird die Entwicklung bedingt durch den sinkenden Verkauf von Dieselfahrzeugen. Zu diesem Ergebnis kommt das Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach in einer neuen Studie.

Demnach stoßen die in der ersten Jahreshälfte 2016 hierzulande neu zugelassenen Pkw im Schnitt 127,6 Gramm CO2 je Kilometer aus – 2,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das sei die geringste Emissionsminderung seit der Abwrackprämie, durch die nach der Wirtschaftskrise viele Altfahrzeuge verschrottet und gegen sparsamere und damit CO2-ärmere Autos ersetzt wurden. Laut CAM sanken die CO2-Emissionen in Deutschland in den letzten fünf Jahren durchschnittlich um 3,2 Prozent. Derzeit liegt der von der EU vorgegebene CO2-Grenzwert für Neufahrzeuge bei 130 Gramm je Kilometer; 2021 sinkt er auf 95 Gramm.

"Die hohe Nachfrage nach SUVs und Geländewagen sowie niedrige Spritpreise torpedieren die Anstrengungen der Automobilhersteller zur Reduzierung der CO2-Emissionen", schreibt das Forschungsinstitut. "Die Erfolge der Hersteller im Trendsegment SUV erschwert zunehmend die Einhaltung der EU-Grenzwerte für das Jahr 2020/2021", sagt CAM-Leiter Stefan Bratzel.

Der Marktanteil von SUVs und Geländewagen stieg in den letzten Jahren kräftig an. Mittlerweile liegt er bei 20,8 Prozent, nach 19,2 Prozent vor einem Jahr. Diese beiden Fahrzeugtypen stoßen besonders viel CO2 aus: Neue SUVs liegen laut CAM im Schnitt heute bei 134,1 Gramm je Kilometer, Geländewagen sogar bei 159,3 Gramm. Zum Vergleich: Autos der Mittelklasse liegen bei 125,9 Gramm, die Kompaktklasse – dazu zählt etwa der VW Golf – kommt auf 117,4 Gramm.

Dieselanteil an den Neuwagen nimmt ab

Studienleiter Bratzel sieht als Grund für die "insgesamt ernüchternde CO2-Bilanz" aber nicht nur die steigenden SUV-Verkäufe. Ein weiteres Problem: Der prinzipiell CO2-ärmere Dieselantrieb ist durch den VW-Skandal in Verruf geraten; er verliert gegenüber dem Benziner ohnehin an Attraktivität, weil die Reinigung der Dieselabgase teurer wird.

"Der Höhepunkt des Dieselmotors als Antriebstechnologie scheint im globalen Maßstab bereits überschritten", urteilt Bratzel. Darum werde die Elektrifizierung der Fahrzeugmodelle für die Autobauer immer wichtiger, um die zunehmend strengeren CO2-Grenzwerte einhalten zu können. "Die Hersteller sind dringend gefordert, ihre Aktivitäten im Bereich der Elektromobilität wesentlich zu verstärken." Bisher trage jedoch die mangelnde Akzeptanz von alternativen Antrieben mit dazu bei, dass der CO2-Ausstoß neuer Pkw nur geringfügig abnimmt.

Betrachtet man in der CAM-Studie die Erfolge der einzelnen Hersteller bei der CO2-Reduktion, schneiden insbesondere die Franzosen gut ab: Die Neuwagen von Peugeot etwa stoßen heute im Schnitt 6,3 Prozent weniger CO2 aus als vor einem Jahr. Auch Renault/Dacia sowie dem japanischen Hersteller Toyota gelangen deutliche Emissionsminderungen. Negativ seien dagegen vor allem die koreanischen Schwestermarken Hyundai/Kia sowie Ford aufgefallen, so die Forscher. Hier wirkt sich der SUV-Boom aus: Zwei von fünf verkauften Kia-Autos sind derzeit SUVs; auch bei Ford erklärt sich laut CAM der kräftige Anstieg der CO2-Emissionen (plus 4,5 Prozent zum Vorjahr) mit guten SUV-Verkäufen. Bei Fiat wiederum nehmen die CO2-Emissionen der Studie zufolge seit Jahren zu statt ab.

Unter den drei deutschen Premiumherstellern BMW, Mercedes-Benz und Audi fällt Mercedes negativ auf: Während Audi und BMW den CO2-Ausstoß im Vergleich zu 2015 verringern konnten (wenn auch in geringerem Maße als der gesamte Neuwagenmarkt), führen gute SUV- und Geländewagen-Verkäufe bei Mercedes zu einem leichten Anstieg von 0,8 Prozent.