Ein guter Autofahrer braucht keine Assistenzsysteme. Sätze dieser Art machten unter Autofans an den Stammtischen schon Ende der achtziger Jahre die Runde. Damals fand das Antiblockiersystem vermehrt Einzug in unsere Autos – und nicht wenige Männer meinten, auch ohne ABS genauso gut zu bremsen. Sie vergaßen dabei jedoch meist, dass mit ABS das Fahrzeug lenkfähig blieb. Ein enormer Sicherheitsgewinn. Heute zählt ABS zur gesetzlichen Grundausstattung eines jeden europäischen Neuwagens.

Ähnlich lief es beim Elektronischen Stabilitätsprogramm. Das im Volksmund "Schleuderschutz" genannte Assistenzsystem hat seinen Durchbruch mehr oder weniger einem Eklat zu verdanken. Als sich Mercedes-Benz 1997 ins Kleinwagensegment wagte, schluderte er bei der Entwicklung: Die A-Klasse kippte kurz nach ihrem Debüt bei einem Ausweichtest, dem berühmten Elchtest, um. Als Konsequenz erhielt das Mercedes-Modell fortan ESP, serienmäßig.

Die Konkurrenz zog widerwillig nach. Über die Jahre entwickelte sich das ESP zu einem der größten Lebensretter in der automobilen Sicherheit nach dem Gurt. Kein neues Auto, das in Europa zugelassen wird, verlässt heute das Fließband mehr ohne den Schleuderschutz.

Und wie steht um die heutigen und künftigen Assistenten? In den vergangenen Jahren hat die Elektronik riesige Fortschritte gemacht. Bauteile wie Steuergerät, Videokamera, Ultraschallsensoren, Laserscanner und Radar wurden kleiner und leistungsfähiger. Günstiger wurden sie auch, manche Assistenzsysteme kosten weniger als vier Leichtmetallräder oder ein Panoramaschiebedach.

Wer sie nutzt, schätzt sie meist auch

Das machte sie erschwinglich auch für Fahrer von Autos, die nicht von Premiumherstellern stammen. In der Branche spricht man von "Demokratisierungsprozess". "Selbst ein Opel Astra führt heute Sicherheitsextras wie Frontkamera, Notbremsassistent, Verkehrsschilderkennung oder Spurwechselwarner in der Aufpreisliste", sagt Autoexperte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach.

Im Premiumsegment, insbesondere in der Oberklasse, können mehr als zwei Dutzend elektronische Assistenzsysteme im Fahrzeug stecken. Sensoren erkennen Querverkehr beim rückwärtigen Ausparken, sehen im Dunkeln weiter, als jeder Scheinwerfer leuchtet, liefern 360-Grad-Bilder aus der Vogelperspektive, erkennen Fußgänger und sogar Tiere und lösen notfalls automatisch eine Vollbremsung aus. Assistenten bleiben selbstständig auf Distanz zum Vordermann und halten brav die Spur, bremsen im Stop-and-Go-Verkehr bis zum Stillstand und fahren von alleine wieder an. Sie korrigieren die Lenkung, sobald eine Linie überfahren wird, sehen andere Fahrzeuge im Toten Winkel, parken automatisch ein und aus und wissen, ob an einer Kreuzung oder Einmündung Autos von rechts oder links kommen, bevor der Fahrer diese wahrnimmt. Der Siebener-BMW und die neue Mercedes E-Klasse parken mittlerweile sogar autonom ein, während der Fahrer mit der Fernbedienung in der Hand wenige Meter danebensteht.

Nicht jeder Autofahrer steht dieser digitalen Aufrüstung positiv gegenüber. "Viele halten die Invasion der Helferlein sogar für schlicht inflationär, übertrieben oder für das Resultat übereifriger Entwicklungsingenieure", sagt Bratzel.

Eine Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) ergab tatsächlich, dass Autofahrer, die in ihrem Wagen bereits einige elektronische Helfer nutzen, auch anderen Assistenzsystemen gegenüber aufgeschlossen sind – wer bisher keine oder kaum Erfahrungen mit den Systemen hat, ist demnach hingegen eher skeptisch, fürchtet etwa eine Bevormundung oder Ablenkung durch die Technik. Ein Beispiel: 82 Prozent der Nutzer hielten in der Umfrage den Abstandstempomaten für besonders hilfreich, während von den Nichtnutzern nur 55 Prozent vom Nutzen dieses Helfers überzeugt waren.

Verzichtet der Neuwagenkäufer auf die Assistenzsysteme ganz, spart er womöglich am falschen Ende. Das mindert den Wiederverkaufswert, weil in einigen Jahren elektronische Helfer noch weiter verbreitet sein werden als heute. Außerdem macht sich die Investition in Sicherheitsextras schon bezahlt, wenn dadurch auch nur ein einziger Unfall verhindert wird. Laut einer Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) passieren zehn Prozent aller Unfälle durch Unachtsamkeit. Unfallforscher Christoph Lauterwasser, Leiter des AZT, schätzt den Faktor menschliches Versagen insgesamt gar auf 90 Prozent.

Welche Helfer braucht man?

Head-up-Display in einem VW Passat © Hersteller

Welche Systeme erleichtern den Autoalltag? Und welche sind unzweifelhaft ein Sicherheitsgewinn? Empfohlen sind diese Assistenten:

Notbremsassistent

Eine kleine Unaufmerksamkeit reicht, schon hat man übersehen, dass der Vordermann steht. Die automatische Notbremsfunktion erkennt Hindernisse und verhindert bis 30 km/h, bei einigen Herstellern auch noch darüber, einen Auffahrunfall.

Stop-and-Go-Pilot

Zähfließender Kolonnenverkehr und Stop and Go nerven und stressen. Besser, man überlässt dem Computer das langsame Rollen. Schlaue Systeme folgen dem Vordermann, lenken, bremsen bis zum Stillstand ab und fahren selbstständig wieder an.

Totwinkel-Assistent

In der Fahrschule haben wir alle brav den Schulterblick gelernt. Ein Sensor im Wagenheck nimmt uns zuverlässig diese Arbeit ab. Sobald sich ein Motorrad oder Auto im Toten Winkel befindet, blinkt es auffällig im Seitenspiegel. Das entspannt längere Autobahnfahrten ungemein.

360-Grad-Kamera

Nie wieder ärgerliche Parkrempler: Vier Kameras am Auto sorgen für eine Rundumsicht aus der Vogelperspektive. Das Bild wird im Display angezeigt und liefert einen genauen Überblick, wer oder was sich seitlich, hinter oder vor dem Wagen befindet.

Verkehrszeichen-Assistent

Wie oft hat man schon erlebt, nicht zu wissen, wie schnell gerade auf diesem oder jenem Streckenabschnitt gefahren werden darf? Die Kamera hinter der Frontscheibe behält das stets im Auge – und zeigt das Limit im Cockpit an.

Head-up-Display

Bei manchen Dingen meint man anfangs, sie nicht haben zu müssen, möchte dann aber nie wieder darauf verzichten, wenn man sie einmal hatte. Zu diesen zählt auch das Head-up-Display. Die farbliche Darstellung verschiedener Informationen wie Geschwindigkeit, Navigation und Warnhinweise auf der Windschutzscheibe hat mittlerweile eine exzellente Qualität erreicht. Selbst bei starker Sonneneinstrahlung lassen sich die Infos in der Scheibe sehr gut ablesen. Man gewöhnt sich so schnell an die Einspiegelung, dass die Anzeigen in den herkömmlichen Instrumenten zur Nebensache werden.