Diese Stille ist beeindruckend. Die Fahrt auf der Zero FXS ist Motorradfahren im schalldichten Raum. Ein völlig anderes als das bekannte Fahrgefühl. Kein Wunder: Angetrieben wird das Motorrad von einem Elektromotor.

Zero fertigt seit zehn Jahren elektrisch angetriebene Bikes und ist das Pendant zu Tesla bei den Elektroautos: Pionier und Premiumhersteller zugleich. Von dem kalifornischen Motorradbauer sind in Deutschland einige Hundert Maschinen zugelassen, das reicht, um Marktführer bei Elektromotorrädern zu sein. Jetzt kommt das neue Modell FXS dazu. Das S steht für Supermoto, eine Art ursprüngliches Motorrad.

Gar nicht ursprünglich ist dagegen der Antrieb: Die Maschine hat einen neu entwickelten Motor, der effizienter sein und schneller abkühlen soll als der bisherige Zero-Motor. Es gibt ihn in zwei Leistungsstufen, mit 20 kW (27 PS) und 33 kW (44 PS). Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung sind fast gleich. Den wirklichen Unterschied machen die beiden verbauten Akkus aus: In der stärkeren Motorvariante haben sie eine Leistungsfähigkeit von 6,5 Kilowattstunden (kWh) und eine kombinierte Reichweite von 84 Kilometern, im schwächeren Modell sind diese Werte jeweils halb so hoch.

Dafür sind dessen Akkus doppelt so schnell aufgeladen. Knapp fünf Stunden dauert der Vorgang. Zu aktuellen Preisen kostet das Aufladen somit 0,67 Euro beziehungsweise 1,34 Euro bei den starken Akkus. Auf hundert Kilometer fallen also etwa 1,50 Euro Energiekosten an. Günstiger ist nur Laufen.

Gedrosselte Variante soll 16-Jährige ansprechen

Für beide Varianten braucht man den Führerschein A2. Der berechtigt zum Führen von mittelschweren Krafträdern bis 35 kW. Zero bietet für die FXS allerdings auch eine Drosselung auf 11 kW (15 PS) an – und erreicht so gleich zwei neue Zielgruppen: zum einen 16-Jährige, zum anderen Ältere, die ihren Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht haben. In der gedrosselten Variante werden die beiden leistungsstarken Akkus verbaut. Für die Behörden ist die Dauerleistung von 11 kW das entscheidende Kriterium. Für die Kundschaft zählt indes die maximale Leistung, 33 kW (44 PS).

Unsere Testfahrt fand in einer Gruppe mit fünf Motorrädern statt, von denen eines gedrosselt war. Welches es war, blieb bis zum Schluss ein Geheimnis, weil alle gleich schnell waren. Die Fahrt ging durch das schwäbische Remstal östlich von Stuttgart. Es macht Spaß, das leichte und leise Motorrad auf den engen Straßen und vorbei an Weinbergen zu lenken. Man sitzt hoch, aber sicher im Sattel. Muss nicht kuppeln, weil ein Elektromotor nicht geschaltet wird. Und ist überwältigt von der Ruhe.

Das Fahrgefühl ist jedoch nur von kurzer Dauer. Nach 50 bergigen und kurvigen Kilometern folgt eine stundenlange Rast. Die Akkus sind fast leer und das Laden dauert. Im flachen Stadtverkehr, ohne Blitzstarts an grünen Ampeln und unter strikter Einhaltung des Höchsttempos mag die theoretische Reichweitenangabe fahrbar sein. Außerhalb ist sie es nicht. 42 Kilometer mit den kleinen Akkus sind völlig indiskutabel. Das entspricht in der Praxis letztlich 15 Kilometern hin und 15 her. Eine Umleitung wegen einer Baustelle oder Stau kann Schieben zur Folge haben. Denn wo gibt's im Remstal Ladestationen? Man steigt immer mit einem schlechten Gefühl auf ein Elektromotorrad, denn jede Fahrt beginnt im Reservemodus.