In München wurde ich auf dem Fahrrad kürzlich von einem Polizeibeamten gestoppt, weil ich die rote Ampel (kombiniertes Modell für Fußgänger und Radfahrer) missachtet habe – die Ampel für die in dieselbe Richtung fahrenden Autofahrer war noch grün. Der Polizist behauptete, dass die Radfahrerampel bereits seit sechs Sekunden Rot anzeige und mich das mindestens 100 Euro sowie ein bis zwei Punkte kosten würde. Lohnt es sich trotz der klaren Situation, dem Bußgeldbescheid zu widersprechen, oder soll ich mir die Arbeit sparen, das Bußgeld zahlen und künftig besser aufpassen?, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Korbinian Pfeffer.

Eigentlich ist die Situation klar, die Regeln auch: "Gibt es eine gesonderte Ampel für Radfahrer, dann gilt diese", sagt Florian Schmidtke, Rechtsanwalt aus München. Zeigt sie Rot, müssen Radfahrer anhalten und auf die nächste Grünphase warten, auch wenn die separate Ampel für Autofahrer noch grün leuchtet.

Grundsätzlich kann auch gegen einen Fahrradfahrer ein Bußgeld verhängt werden, auch Radfahrer können Punkte im Flensburger Zentralregister bekommen. "In der Regel wird hier der halbe Satz der Geldbuße angesetzt, die ein Autofahrer bekäme, und ab 60 Euro kommt ein Punkt hinzu", erläutert der Verkehrsrechtsexperte.

Ein Blick in den Bußgeldkatalog bestätigt das angekündigte Bußgeld: Liegt eine Gefährdung vor oder dauerte die Rotphase schon länger als eine Sekunde, kann sich die zu zahlende Summe auf 100 Euro erhöhen. Allerdings bleibt es in diesem Fall laut Bußgeldkatalog bei einem Punkt in Flensburg. Die vom Beamten angedrohten zwei Punkte lassen sich somit wohlwollend als Erziehungsmaßnahme interpretieren oder als Einschüchterung, je nach Perspektive.

"Dennoch kann innerhalb von zwei Wochen Einspruch gegen den Bußgeldbescheid erhoben werden. Die Erfolgsaussichten müssten dann anhand der Ermittlungsakte überprüft werden", sagt Schmidtke.

Unterschieden wird dabei zwischen einem einfachen und einem qualifizierten Rotlichtverstoß, also ob die Ampel gerade erst umschaltete und es sich um weniger als eine Sekunde handelte oder die Rotphase schon länger andauerte. "Soll Ihnen der Vorwurf eines Rotlichts von mehr als einer Sekunde gemacht werden – was beim Autofahrer ein Fahrverbot nach sich ziehen würde –, dann muss der Polizeibeamte genau angeben, anhand welcher Anhaltspunkte er zu der Zeitangabe kommt. Eine bloße Schätzung, ohne beispielsweise die Sekunden zu zählen, reicht oft nicht aus", sagt der Anwalt.