Norwegen hat 14 Mal weniger Einwohner als Deutschland, aber mehr elektrische Ladesäulen. Die Niederlande haben nur zwölf Prozent der Fläche Deutschlands, versorgen Fahrer von Elektroautos aber mit rund vier Mal so vielen Ladesäulen. Auch in Frankreich und Großbritannien stehen doppelt so viele Stromtankstellen wie bei uns.

Nach jüngsten Zahlen kann man in Deutschland knapp 6.500 öffentlich zugängliche Ladestationen ansteuern, darunter etwa 150 Schnellladesäulen. Statistiker haben ausgerechnet, dass somit durchschnittlich alle 111 Kilometer eine Säule steht. Zum Vergleich: Die Niederlande kommen auf sieben Kilometer.

Geht der Ausbau des Ladenetzes mit ähnlichem Tempo weiter, kommen wir bis 2020 auf rund 14.000 Säulen. Das ist weit entfernt vom Zielwert 70.000, den die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) ausgegeben hat. Dabei hat die Bundesregierung schon vor einigen Jahren getönt, unser Land solle zum Leitmarkt für Elektromobilität werden.

Immerhin hat die Politik reagiert und sich in diesem Jahr für eine Förderung ausgesprochen. 300 Millionen Euro sollen in den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur fließen. Experten sind sich einig: Ein lückenhaftes Versorgungsnetz hemmt die Verbreitung von Elektroautos neben dem teuren Anschaffungspreis zusätzlich. "Käufer haben eine Art Urangst, irgendwo mit leerem Akku liegen zu bleiben", sagt Stefan Bratzel, der Leiter des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Die Tesla-Variante ist keine Lösung

Nur: Wer ist für den Ausbau des Ladenetzes verantwortlich? Die Politik, die die Ziele vorgibt? Oder doch die Privatwirtschaft, also die Stromanbieter? Oder die Elektroautohersteller selber? Und brauchen wir wirklich ein so dichtes Netz an Stromtankstellen? Umfragen mit E-Auto-Besitzern ergaben, dass mehr als 80 Prozent von ihnen zu Hause laden und ihr Fahrprofil so anpassen, dass sie nicht mit halb leerem Akku starten.

Jürgen Schenk, der Leiter des Bereichs Elektromobilität bei Mercedes-Benz, glaubt sogar, schon in wenigen Jahren werde es ein Überangebot an Ladesäulen in Deutschland geben. "Durch die Fortschritte in der Batterietechnologie erzielen wir 2020 elektrische Reichweiten von über 500 Kilometern. Der Autofahrer braucht dann höchstens noch Schnelllader entlang der Autobahnen", sagt Schenk.

Eine normale Ladestation kostet heute rund 10.000 Euro, ein Schnelllader mit Gleichstrom mehr als das Dreifache. Das ist viel, zumal damit über den Stromverkauf mittelfristig kein Geld zu verdienen ist. Es wundert also nicht, dass die Sache zäh anläuft. Auch die Autohersteller tun sich mit dem Thema schwer. Sie sehen sich nicht in der Pflicht, für den Ausbau einer Ladeinfrastruktur zu sorgen. Und eine Insellösung à la Tesla – der US-Elektroautohersteller bietet seinen Kunden exklusive Säulen und kostenlosen Strom an – soll es nicht geben. "Wir halten dies nicht für zielführend", sagt Schenk.