Volkswagen hat einem Bericht zufolge bislang nicht einmal zehn Prozent der in Deutschland vom Dieselskandal betroffenen Autos nachgerüstet. Nur rund 240.000 der 2.555.880 manipulierten Autos mit 1,6- und 1,2-Liter-Varianten des EA-189-Motors seien umgebaut worden, berichtete das Handelsblatt. Das gehe aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Eigentlich wollte VW die Umrüstungen für alle in Europa betroffenen Autos noch 2016 weitgehend beenden. Die Rückrufe begannen in Deutschland Ende Januar dieses Jahres. Die Abgasmanipulationen des VW-Konzerns waren im September 2015 bekannt geworden. Das Bundesverkehrsministerium versicherte in seiner Antwort demnach, sich für einen "schnellen Abschluss der Umrüstung" einzusetzen.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Stephan Kühn, kritisierte die schleppende Umrüstung. "90 Prozent der Schummel-Fahrzeuge von VW belasten weiterhin die Luftqualität in Städten und Gemeinden", sagte er. "Das geht massiv zulasten der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger." Was nach der Umrüstung passiere, bleibe für ihn schleierhaft: "Die Bundesregierung drückt sich um die Beantwortung der Frage, ob die Grenzwerte auch nach künftigen Software-Updates eingehalten werden", so Kühn.

Probleme auch bei Umrüstung anderer Autos

Dem Handelsblatt-Bericht zufolge fällt auch die Bilanz für die Autos anderer Hersteller ernüchternd aus. Neben den manipulierten Volkswagen waren bei Audi, Mercedes, Opel, Porsche und VW-Nutzfahrzeugen überhöhte Stickoxidwerte festgestellt worden. Mit Ausnahme des Porsche Macan, für den vom Kraftfahrtbundesamt eine Freigabe erteilt worden sei, dauerten die Prüfungen für alle weiteren Autos noch an, schrieb die Zeitung unter Berufung auf die Regierungsangaben.

Am Dienstag war außerdem bekannt geworden, dass sich Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gegen die Einführung von sogenannten Musterfeststellungsklagen starkgemacht hat. Nach Informationen von Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR notierte er seine Ablehnung auf Unterlagen, die dem Rechtsausschuss des Bundestages zugesandt worden seien. In dem zwölfseitigen Papier habe Dobrindt den Passus zur deutschen Variante der Sammelklage komplett gestrichen.

Der Entwurf für die Einführung einer Sammelklage war als Konsequenz aus dem VW-Dieselskandal verfasst worden, um Verbraucher gegen Konzerne zu stärken. Eine solche Sammelklage soll möglich werden, wenn eine größere Zahl Geschädigter gegen denselben Streitgegner prozessieren will.