Nehme ich die U- oder S-Bahn? Ist die Strecke kurz genug, um aufs Fahrrad zu steigen? Oder sieht es nach Regen aus und ich suche mir das nächstgelegene Carsharing-Auto? Gerade in Städten sind die Wahlmöglichkeiten groß, um von A nach B zu gelangen. Inzwischen helfen Apps bei der Entscheidung. Sie heißen Qixxit oder Moovel und dienen nicht allein als Routenplaner, sondern verfügen auch über die notwendigen Informationen etwa darüber, wann der nächste Bus fährt oder wo ein freies Auto in der Nähe steht.

Damit enden in aller Regel aber die Funktionen. Qixxit, ein Produkt der Deutschen Bahn, kennt dank einer recht langen Liste von Partnern zwar allerlei Alternativen für den gewünschten Weg, leitet den Nutzer am Ende aber zum ausgewählten Anbieter weiter – nur DB-Tickets lassen sich direkt in Qixxit buchen. Auch Moovel, ein Angebot von Daimler, weiß lediglich, dass zum Beispiel in zehn Minuten die nächste S-Bahn fährt und wie viel das Ticket kostet, kaufen kann man das Ticket nicht. 

Ein solcher Trip-Planer war Sampo Hietanen nicht genug. Der Finne gründete 2015 ein Start-up, das seit diesem Sommer unter dem Namen MaaS Global firmiert. Der Firmenname bezeichnet gleichzeitig das Konzept der neuen Mobilitätsdienste: Mobility as a Service. Hietanens Ziel ist klar: Sein Angebot solle nichts weniger werden als das "Netflix des Transportwesens", sagt Hietanen.

In seinem Büro im Zentrum Helsinkis erklärt der 41-Jährige seine Idee, an der er nach eigener Aussage schon seit mehreren Jahren arbeitet und die er nun erstmals in der finnischen Hauptstadt im Testbetrieb umsetzen will: ein Abo für möglichst viele Verkehrsmittel, gesteuert über das Smartphone mit der App Whim. "Die Idee des eigenen Autos ist, jederzeit Zugriff darauf zu haben und einfach losfahren zu können – diese Freiheit dehnen wir auf alle Verkehrsmittel aus", sagt Hietanen. Egal ob Taxi, Carsharing, Mietwagen, öffentlicher Nahverkehr, Zug, Leihrad oder Flugzeug – möglichst alle Varianten, um ans Ziel zu kommen, sollen über eine App verfügbar und mit einem Klick zu buchen sein.

Das Auto steht ja doch nur herum

Das allein wäre nicht ganz neu – ein ähnliches Pilotprojekt gab es bereits vor ein paar Jahren in Wien, wo die Smartphone-App smile Verkehrsmittel zu gewünschten Strecken verknüpfte und einfaches Buchen bot. Doch Hietanen geht noch weiter: Teil seiner App sind feste Monatspakete, für den Nutzer entfällt also das einzelne Bezahlen. Whim rechnet später mit den einzelnen Dienstleistern ab. 

Mit Whim geht Hietanen in diesen Tagen im Großraum Helsinki mit zunächst 100 Nutzern in den Testbetrieb. Der Name nimmt Bezug auf die englische Redensart "on a whim", nach Lust und Laune. So einfach nämlich, spontan und ganz nach Belieben, soll der Nutzer seine Fahrten wählen können: "Grenzenloses, nahtloses Reisen" verspricht Whim. Entweder per Rechnung an den Nutzer ("pay as you go") oder über eine Flatrate: Der Nutzer bucht ein Paket seiner Wahl und kann dann entsprechend in einem Monat das Angebot nutzen.

Die 100 Testnutzer erhalten jetzt zu einem reduzierten Preis das Whim-Standardpaket, das eigentlich 249 Euro im Monat kostet. Das klingt nach viel. Die Autobesitzer in Finnland gäben im Schnitt aber monatlich rund 431 Euro für ihren Pkw aus, wenn man alles einrechne, sagt Hietanen. "Viele haben darüber hinaus noch eine Monatskarte für den ÖPNV oder weitere Mobilitätsausgaben, etwa für Taxifahrten."

Die entscheidende Frage, die Hietanen mit Whim stellt, lautet: Wozu ein Auto besitzen und dafür Monat für Monat mehr als 400 Euro ausgeben, wenn man erheblich weniger Geld Zugriff auf viele Verkehrsmittel bekommen kann – "vor allem, weil das eigene Auto 96 Prozent der Zeit doch nur herumsteht", sagt er. Damit entkräftet er zugleich das Argument mancher Skeptiker, wonach eine Flatrate dazu führe, letztlich womöglich mehr zu zahlen, als man das Produkt tatsächlich nutze: "Das tun die Menschen mit ihrem Auto doch auch!"