Hietanens Geschäftsmodell ist offenkundig attraktiv: Es lockt sowohl Anleger wie den französischen Bahnbetreiber Transdev und den türkischen Autobauer Karsan, die beide in MaaS Global investiert haben, als auch Interessenten. Derzeit führt MaaS Global Gespräche, um Whim womöglich noch in diesem Jahr in der estnischen Hauptstadt Tallinn zu starten. Doch auch Konkurrenten haben ein Auge auf das Konzept geworfen. OP, eine der größten Banken Finnlands, hat Anfang dieses Jahres Sonja Heikkilä angestellt. Die 26-jährige Verkehrsingenieurin sorgte vor zwei Jahren mit ihrer Masterarbeit an der Aalto-Universität über eine Zukunft des Verkehrs ohne eigenes Auto, aber mit Mobility as a Service für Furore, auch in internationalen Medien.

Heute ist Heikkilä "Project Director, Connected Mobility", wie auf ihrer Visitenkarte steht. Und damit Teil der Abteilung OP New Business Development. Die sitzt im Zentrum Helsinkis unter dem Dach eines Altbaus in einem etwas heruntergekommenen Stockwerk, so wie man sich das für ein Start-up vielleicht vorstellt. Was das Finanzinstitut in Sachen Mobilität plant, will Heikkilä noch nicht allzu konkret verraten. Im Gespräch macht sie aber deutlich, was für OP interessant sein könnte: als Mobilitätsvermittler zu agieren, ähnlich wie Hietanens Firma.

Das Smartphone wird zum "Generalschlüssel"

Auch in Deutschland ist die Idee des Mobilitätsbudgets längst angekommen. Auch die Anbieter von Moovel und Qixxit tüfteln an ähnlichen Konzepten wie die Finnen. Bei der Qixxit-Mutter Deutsche Bahn etwa arbeite man "mit Hochdruck" an einer "übergreifenden nationalen Mobilitätskarte", sagte Konzernchef Rüdiger Grube im Mai der Wirtschaftswoche. Mit dieser solle der Nutzer Zug fahren, Räder ausleihen, Busse und Taxis nutzen und bezahlen können. Am Monatsende erhalte der Kunde dann eine Rechnung "wie fürs Telefon".

Seither hat man von der Bahn dazu allerdings nichts mehr gehört. Ganz so leicht fällt es offenbar nicht mal einem großen Konzern, so viele verschiedene Anbieter in Deutschland zusammenzuführen. Doch dass multi- und intermodalen Mobilitätsangeboten via Smartphone und einfacher Abrechnung die Zukunft gehört, steht für Mobilitätsforscher wie Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) fest: "Zukünftig wird das Smartphone ein Generalschlüssel für alles, was es im Verkehr gibt", sagt Canzler.

Angst vor Konkurrenz hat Hietanen nicht. "Wir sehen diesen Markt als Feld für mehrere Mobility-as-a-Service-Anbieter", sagt er. Für die Verkehrsbetreiber auf der einen Seite sei wichtig, diverse Dienstleister für ihr Angebot zu haben, und die Endkunden auf der anderen Seite wollten künftig die Wahl zwischen verschiedenen Anbietern haben. "Wir haben den Vorteil, uns viel schneller bewegen zu können als die meisten traditionellen Player, die Mobility as a Service mit ihrem bestehenden Geschäft in Einklang bringen müssen", fügt Hietanen mit Blick auf OP hinzu.

Ähnlich sieht es Sonja Heikkilä: Gut so, dass viele Mobility as a Service für sich entdecken, findet die junge Finnin. Wenn es nach ihr geht, muss in vielleicht zehn Jahren eigentlich keiner mehr ein Auto besitzen – ohne an Mobilität einzubüßen. So wie sie es in ihrer Masterarbeit skizziert hat.