Auch 2016 sollte der Durchbruch für das Elektroauto kommen, nicht zuletzt durch die Einführung des sogenannten Umweltbonus, einer Prämie für Käufer von Elektroautos und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen. Die staatliche Förderung wurde allerdings in den ersten Monaten nur schleppend angenommen. Das könnte sich 2017 ändern.

Der Grund: Eine Reihe von Elektroauto-Modellen kommt mit größerer Reichweite auf den Markt. Einen zu geringen Aktionsradius hatten Autoexperten immer wieder als ein wichtiges Argument dafür angeführt, dass die Elektroautos sich bisher noch nicht in großen Stückzahlen verkaufen lassen. Mitte nächsten Jahres bringt Opel den Ampera-e, der nach Labormessung 500 Kilometer weit mit einer Akkuladung fahren soll – ein Bestwert für einen Nicht-Tesla. Auch der Renault Zoe hat aufgestockt und kommt jetzt theoretisch auf 400 Kilometer. Auch bei VW kann die Batterie des E-Golf nun mehr Energie speichern, sodass er bis zu 300 Kilometer mit einer Ladung fährt.

Hinzu kommt, dass die deutschen Autohersteller ab dem kommenden Jahr die Verbesserung der Infrastruktur selbst in die Hand nehmen und 400 öffentliche Ladestationen einrichten wollen. Bis 2020 sollen Tausende Ladepunkte entstehen, vor allem an Autobahnen und hoch frequentierten Durchgangsstraßen. Auch Tank & Rast, der Verwalter fast aller ehemals staatlichen Autobahnraststätten, will bis Ende 2017 jeden der 400 Standorte mit einer Schnellladesäule ausstatten. Automobilexperte Stefan Bratzel, Professor an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, hält es für realistisch, dass der Marktanteil von E-Autos und Plug-in-Hybriden 2017 auf mehr als ein Prozent steigt und sieht zumindest eine Chance, dass theoretisch auch zwei Prozent erreicht werden könnten.

Mehr Straßen sollen "digitale Testfelder" werden

Was die sonstigen Vorlieben der Autokäufer angeht, braucht man keine Glaskugel, um zu prognostizieren, worauf sie auch 2017 abfahren: erhöhte Sitzposition und Abenteuer-Look. Der SUV-Boom setzt sich fort, auch weil es viele neue Modelle gibt. Die Bandbreite reicht vom VW Touareg über das erste SUV der Marke Alfa Romeo bis zu Mini-Modellen wie dem Suzuki Ignis, mit 3,70 Metern Kürze das erste der Gattung Micro-SUV.

Konnektivitätsfunktionen sind im Jahr 2017 zumindest jenseits der Billigmodelle fast selbstverständlich. Das reicht von der einfachen Einbindung einiger Smartphone-Funktionen in das Auto bis zur Vernetzung mit der Umwelt, um Echtzeitdienste nutzen zu können. Das, sowie Assistenzsysteme der neuesten Generation in neuen Modellen der Luxushersteller – etwa Staufolge- und Spurwechselassistent – bilden einen weiteren Schritt hin zum autonomen Fahren.

Auch dieses Thema wird uns 2017 beschäftigen. Nach dem erfolgreichen Start einer Teststrecke für das autonome Fahren auf der Autobahn A9 in Bayern sollen weitere deutsche Straßen zu "digitalen Testfeldern" werden. 80 Millionen Euro stellt Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dafür bereit. Nun soll das autonome Fahren in komplexeren Verkehrssituationen auf Landstraßen und im Stadtverkehr erprobt werden. Unter anderem in Düsseldorf ist die Einrichtung einer solchen Teststrecke für das erste Quartal 2017 geplant.

Autos können bereits mehr, als der Staat zulässt. Ob 2017 das Jahr wird, in dem die Gesetzgebung auf die aktuellen Entwicklungen Bezug nimmt? "Man hat bei diesem Thema zumindest die Zeichen der Zeit früh erkannt", meint Autoexperte Bratzel. "Den Autoherstellern ist es gelungen, die Politik von der Wichtigkeit dieses Themas zu überzeugen."