Seit sechs Monaten können Käufer von Autos mit elektrifiziertem Antrieb einen Zuschuss beantragen. Reine Elektroautos werden mit 4.000 Euro gefördert, Plug-in-Hybride – also Autos mit einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor plus extern aufladbarer Batterie – mit 3.000 Euro. Der finanzielle Anreiz soll den deutlichen Preisunterschied zwischen einem Auto mit Elektro- und einem mit Verbrennungsmotor zumindest ein wenig mildern und mehr Autokäufer für den alternativen Antrieb begeistern.

In größerem Umfang hat das bisher jedoch nicht geklappt: Die Antragszahlen sind auf stabilem Niveau ernüchternd. Seit dem 2. Juli wurden beim für die Prämie zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gerade einmal 9.023 Anträge auf einen Zuschuss zum Kauf eines E-Autos oder Plug-in-Hybrid-Fahrzeugs gestellt, wie die Behörde in Eschborn mitteilte. "Obwohl ich ohnehin schon skeptisch war, ist das noch deutlich weniger, als ich erwartet hatte", sagt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. "Im Prinzip ist die Prämie ein Flop, sie hat praktisch keinen Effekt."

Ein – zugegeben etwas unfairer – Vergleich: Für die äußerst beliebte Abwrackprämie, bei der die Förderung ebenfalls nach dem Windhundprinzip (wer zuerst kommt, mahlt zuerst) vergeben wurde, stellten im Jahr 2009 Autokäufer allein in den ersten Wochen 150.000 Anträge auf Förderung. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) räumte ein, dass bei der Nutzung der jetzigen Kaufprämie noch "ein Stück Dynamik" fehle. Das sei aber ganz natürlich. "Nur wegen einer Prämie kauft man sich nicht einfach gleich ein neues Auto", sagte Dobrindt der dpa. Er sei aber sicher, dass sich der alternative Antrieb durchsetzen werde. Das sei eine Frage der Zeit.

Waren es zunächst vor allem Privatleute, die sich ihren Wunsch nach einem Auto mit elektrifiziertem Antrieb erfüllten, weist die Bilanz nach einem halben Jahr etwa gleich viele Anträge von Privatpersonen und Firmen auf. Von den bisher eingegangenen Anträgen entfallen 5.129 auf reine Elektroautos, 3.892 auf Plug-in-Hybride. Die beiden beliebtesten reinen Elektroauto-Modelle sind der Renault Zoe und der BMW i3, auf die bereits mehr als 3.100 Anträge entfallen. Bei den Plug-in-Hybriden liegt der Audi A3 e-tron vor dem BMW 225xe.

"Man muss andere Wege gehen"

Doch das vorläufige Scheitern der offiziell Umweltbonus genannten Prämie habe auch einen positiven Effekt, meint Bratzel: "Die Prämie, die so nicht funktioniert, ist ein klarer Hinweis, dass man andere Wege gehen muss." Aus seiner Sicht sind das attraktivere Pkw-Modelle mit mehr Reichweite und die Verbesserung der Infrastruktur. "Die beiden Themen gehören zusammen, in beiden sehe ich jetzt Bewegung", sagt der Experte.

Denn für das eben begonnene Jahr besteht Hoffnung auf Besserung. Verschiedene Elektroautos kommen mit erweitertem Aktionsradius auf den Markt, unter anderem der Opel Ampera-e, der nach Labormessung 500 Kilometer weit mit einer Akkuladung fahren soll, der Renault Zoe mit nun theoretisch 400 und der VW e-Golf mit 300 Kilometern Reichweite. Je nachdem, wie schnell die Umsetzung läuft, könnte auch die Ankündigung der deutschen Autohersteller, ab 2017 rund 400 öffentliche Ladestationen einrichten zu wollen, dem Umweltbonus und damit der Elektromobilität etwas Schwung verleihen.

"Ich sehe keinen steilen Weg nach oben, aber es wird Bewegung in den Markt kommen", glaubt Bratzel. Er hält es für realistisch, dass der Marktanteil von E-Autos und Plug-in-Hybriden 2017 auf mehr als ein Prozent steigt und sieht zumindest eine Chance, dass theoretisch auch zwei Prozent erreicht werden könnten.

Damit dürften beim Bafa auch mehr Anträge auf die Kaufprämie eingehen. Sie soll bis längstens 2019 laufen, doch nach aktuellem Stand wäre die zur Verfügung stehende Gesamtsumme von 1,2 Milliarden Euro bis zum Schlusstermin nicht annähernd ausgeschöpft, wenn die Zahl der Anträge, die pro Monat hinzukommen, bei rund 1.500 bliebe. Der Fördertopf, der je zur Hälfte vom Staat und von den Autoherstellern gefüllt wird, reicht für 300.000 bis 400.000 geförderte Autos mit alternativem Antrieb.