SAP arbeitet an seiner Ökobilanz: Bis 2020 soll der CO2-Ausstoß der Firmenwagen auf das Niveau des Jahres 2000 sinken. Damals hatte das Softwareunternehmen aus Walldorf rund 23.000 Mitarbeiter und 3.000 Firmenautos. Heute ist das Verhältnis 84.000 zu 26.000, davon 15.800 Autos in Deutschland. Um sein ehrgeiziges Klimaziel 2020 zu erreichen, will das Softwarehaus bis dahin 5.000 Elektroautos in der Flotte haben.

600 Stromer sind bereits weltweit im Einsatz, ein Drittel davon in Deutschland. 90 fahren rein elektrisch, 110 sind Plug-in-Hybride. "Wir glauben daran, dass es richtig und wichtig ist, Elektroautos zu fahren", sagt Marcus Wagner, Projektleiter Elektromobilität bei SAP. Die Mitarbeiter dürfen an den 110 Ladestationen in Deutschland ihre Firmenwagen kostenlos laden, die Energie stammt aus erneuerbaren Quellen. Vor drei Jahren hat das Unternehmen komplett auf grünen Strom umgestellt. Fürs Gebäude, das Rechenzentrum und die Autos.

Seit 2009 experimentiert SAP mit Elektrofahrzeugen, seit 2013 können Mitarbeiter sie regulär als Firmenwagen bestellen. "Mittlerweile sind sowohl die Fahrzeuge wie auch die Ladesäulen marktreif und zuverlässig und die Stromer sind bei Wartung und Unterhalt günstiger als Verbrennungsmotoren", sagt Wagner. Auch gewerbliche Käufer bekommen den staatlichen Umweltbonus von 4.000 Euro. Darüber hinaus gewährt SAP seinen Mitarbeitern bei reinen Elektrofahrzeugen einen Bonus von bis zu 10.000 Euro bei Firmenwagen, um die Mehrkosten gegenüber Verbrennern zu kompensieren.

8.000 Euro pro Ladesäule

Einem kurzfristigen Erfolg dient die Elektromobilität im Fuhrparkmanagement nicht. "Sie rechnet sich mittel- bis langfristig", sagt Wagner. Kostenintensiv seien nicht so sehr die Fahrzeuge, sondern die Ladeinfrastrukturen: Pro Ladesäule kalkuliert SAP mit rund 8.000 Euro. Doch bei der Entscheidung für die Elektromobilität geht es nicht allein ums Geld. Neben den Zielen, die CO2-Emissionen zu senken und laufende Kosten der Firmenflotte zu reduzieren, punktet SAP mit umweltschonenden Autos bei Kunden, Mitarbeitern und der Gesellschaft. Außerdem arbeitet SAP an Software für die Elektromobilität: Zur Verwaltung und Steuerung der Fahrzeugflotte wird eine eigene Lösung genutzt, etwa zur Authentifizierung bei der Benutzung von Ladesäulen und für deren Lastmanagement. Weil SAP weltweit Stromautos einsetzt, kann es auch Vergleiche ziehen. Danach hat Deutschland gegenüber anderen Ländern weder Vor- noch Nachteile: "Die Fahrzeuge und Ladesäulen sind auf dem aktuellen Stand der Technik", sagt Wagner.

Unternehmen sind eine wichtige Zielgruppe der Autohersteller beim Absatz und der Einführung von Innovationen. Laut Kraftfahrt-Bundesamt wurden im vergangenen Jahr 12.363 Elektroautos neu zugelassen. Knapp die Hälfte davon als Vorführ-, Test- oder Mitarbeiterfahrzeuge der Hersteller, des Autohandels oder als Mietwagen. Etwa ein Fünftel wird von Privatpersonen angemeldet. "Ein Drittel der Elektroautos sind Firmenwagen. Flottenfahrzeuge sind auch Vorreiter für neue Technologien", sagt Benjamin Kibies, Autoanalyst in der Dataforce Verlagsgesellschaft für Business Informationen in Frankfurt am Main.

Etwa 0,5 Prozent aller Firmenwagen sind reine Elektroautos oder Plug-in-Hybride. Das ist zwar noch ein absolut unbedeutender Wert, doch er ist mehr als doppelt so hoch wie in Privathaushalten. Dort liegt der Anteil bei 0,2 Prozent. Unternehmen bauen zudem eher Ladestationen an ihren Standorten auf als Privatpersonen. "In Firmen werden sie von mehreren Personen genutzt, dadurch lohnen sie sich eher", erklärt Kibies. Für ihn sind "Elektroautos mit größter Wahrscheinlichkeit die wichtigste Lösung für den Fuhrpark der Zukunft. Es sei denn, beim Wasserstoff wird der Durchbruch erreicht", wovon der Fachmann allerdings nicht ausgeht.