Das staatliche Förderprogramm mit Kaufprämien für Elektroautos läuft schleppend, die Neuzulassungszahlen stagnieren, der Ausbau der Ladeinfrastruktur kommt nicht so recht in Fahrt – auch 2016 ist der Durchbruch der strombetriebenen Mobilität ausgeblieben. Auch die Hersteller wirken trotz drohender CO2-Strafzahlungen weiterhin so gehemmt wie ihre potenzielle Kundschaft: Werbung für Elektroautos machen sie kaum, attraktive Sonderaktionen gibt es wenig. Wohl auch, weil man die Zeit für den wahren Elektroauto-Boom noch nicht gekommen sieht.

Die Neuzulassungsstatistik scheint den Skeptikern recht zu geben. Nach einem kurzen Hoch Ende 2015 dümpelt die Nachfrage nach reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden auf einem niedrigen vierstelligen Niveau. Im Oktober wurden gerade mal 1.167 batteriebetriebene Pkw neu angemeldet, 611 weniger als ein Jahr zuvor. Und das trotz Prämie. Auf die Kaufförderung hatten sich Industrie und Politik im Frühsommer geeinigt, 4.000 Euro gibt es seitdem für ein reines Elektroauto, 3.000 Euro für einen Plug-in-Hybriden. Bund und Wirtschaft teilen sich die Kosten.

Ein spürbarer Effekt ist bislang ausgeblieben. Deutschland liegt weiterhin selbst in Europa unter dem Schnitt: Gerade einmal 0,7 Prozent der Neuzulassungen zwischen Januar und November entfielen auf Autos mit elektrischem Antrieb. In Frankreich und Großbritannien sind die Anteile gegenüber dem Zeitraum Januar bis November 2015 dagegen leicht gestiegen. In Frankreich fahren 1,4 Prozent der neu zugelassenen Autos mit Strom, in Großbritannien sind es 1,3 Prozent. Eine Ausnahmerolle spielt weiterhin Norwegen mit einem Marktanteil von inzwischen fast 30 Prozent. Dort wird die Elektromobilität stark gefördert.

Hersteller bewerben ihre E-Autos kaum

"Für die zukünftigen Gewinne der Branche stellt das schwache Abschneiden der deutschen Autobauer bei Elektroautos ein hohes Risiko dar", warnt der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. "Strafzahlungen in der EU, schlechtes Image wegen CO2-Verfehlungen sowie Strafzahlungen und Gegenwind in China, dem wichtigsten Markt der Welt, könnten die Konsequenzen sein."

Ein großes Aufbäumen seitens der Industrie ist derzeit nicht zu erkennen. Werbung für aktuelle Modelle – eigentlich ein klassisches Mittel zum Ankurbeln des Absatzes – findet nicht statt. Gerade einmal drei Elektroautomodelle wurden dieses Jahr überhaupt beworben, wie die Beratungsagentur Ebiquity ermittelt hat: BMW i3, Nissan Leaf und Renault Zoe. Nur BMW hat die Werbung nach der Einführung der Kaufprämie intensiviert. Die anderen beiden Hersteller kappten ihre Ausgaben.

Bei Werbung anderer Art zeigten sich die Autohersteller in diesem Jahr allerdings besonders aktiv: dem Ankündigen der eigenen elektrischen Revolution in Form neuer Modelle. Auf der Automesse im Herbst in Paris stellte VW einen neuen Stromer für die Masse vor, die Studie ID. Mercedes präsentierte gleich eine ganz neue Submarke für E-Modelle. Auf den Markt kommen die beiden wichtigen Spieler mit ihren Autos aber erst 2020.

2016 als mentaler Wendepunkt

Schon zwei Jahre vorher wollen Jaguar, Porsche und Audi ihre luxuriösen E-Modelle auf den Markt bringen. Dann startet auch das Mittelklassemodell Tesla Model 3, vor dem die etablierte Branche zittert. Ob der kalifornische Newcomer aber auch den Massenmarkt für Elektroautos aufrollen kann, wie es ihm im Luxusmarkt mit dem Model S gelungen ist, muss sich noch zeigen.

Wie es aussieht, wird also auch 2017 noch nicht das Jahr des E-Autos. Immerhin gibt es aber mit dem Opel Ampera-e, den Elektroversionen von Smart – Fortwo und Forfour – sowie dem auf 300 Kilometer Reichweite verbesserten E-Golf die Aussicht auf einen zumindest leichten Aufschwung bei den Neuzulassungszahlen. Ob das für das von der Bundesregierung ausgerufene Ziel von einer Million elektrisch betriebener Autos bis 2020 reicht, ist nach aktuellem Stand jedoch zweifelhafter als je zuvor.

Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach, sieht im zu Ende gehenden Jahr zumindest ein entscheidendes für den Umbruch der Antriebstechnologien. "Das Jahr 2016 markiert den mentalen tipping point für die Durchsetzung der E-Mobilität. Ein Amalgam aus Abgasskandal, nationalen und lokalen Umweltzielen und elektromobilitätsfreundlichen Regulationsinitiativen insbesondere in China hat eine enorme Eigendynamik ausgelöst, die die Strategien der Automobilhersteller massiv beeinflusst", sagt Bratzel.

Sein Institut geht allerdings auch davon aus, dass die globalen Neuzulassungszahlen von Elektroautos bis 2020 nur moderat ansteigen werden. Erst danach sei, "befeuert von einer breiten Produktoffensive globaler Hersteller", davon auszugehen, dass der Elektroautomarkt massiv wachsen werde. Dafür sprächen zwei Hauptgründe: erstens sinkende Kosten für Batteriezellen verbunden mit technologischen Innovationen im Hinblick auf Reichweite und Ladedauer, zweitens steigende Herstellkosten für Autos mit Verbrennungsmotor wegen sich verschärfender Umweltregularien.