Meine Tochter (8) fährt noch auf dem Gehweg Fahrrad. Darf ich sie dort begleiten, was sicherer wäre – oder muss ich als Erwachsene auf der Straße fahren und habe sie deshalb wegen parkender Autos oder Bäumen nicht ständig im Blick?, fragt ZEIT-ONLINE-Leserin Simone Trepper.

Diese Frage stellen sich viele Eltern, die ihre Kleinen behutsam auf den Straßenverkehr vorbereiten möchten. Schließlich schreibt die Straßenverkehrsordnung (StVO) vor, dass Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr auf dem Gehweg radfahren müssen; bis sie zehn Jahre alt sind, dürfen sie mit dem Fahrrad die Bürgersteige benutzen (Paragraf 2, Absatz 5). Sicherer ist es auf jeden Fall für Kinder wie Eltern, wenn sie gemeinsam auf dem Gehsteig fahren. Doch bisher war das offiziell nicht erlaubt, den Erwachsenen drohte ein Bußgeld von 15 Euro.

Doch das soll sich bald ändern: Die StVO wird demnächst angepasst. "Rad fahrende Kinder bis zur Vollendung des achten Lebensjahrs dürfen auf Gehwegen dann durch eine mindestens 16 Jahre alte Aufsichtsperson auf dem Fahrrad begleitet werden", sagt Roland Huhn, Rechtsreferent im Bundesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ADFC. Allerdings müssen Kinder und Begleitperson auf Gehwegen vor dem Überqueren einer Fahrbahn absteigen.

Für viele Eltern ist diese Änderung überfällig. "Die nun erlaubte Kinderbegleitung auf Gehwegen durch eine Begleitperson eröffnet Eltern eine legale Möglichkeit, ihre Aufsichtspflicht und die Beachtung der StVO unter einen Hut zu bringen", sagt der ADFC-Verbandsjurist.

Allerdings radelt eine Familie mit zwei Erwachsenen oder auch einem weiteren, älteren Kind weiter getrennt, denn die neue Regel erlaubt nur einem Erwachsenen, das Kind auf dem Gehweg zu begleiten. Gemeinsam können die Eltern, das ältere und jüngere Kind aber auch einen baulich getrennten Radweg nutzen, denn dort dürfen künftig Kinder jeden Alters fahren. Ausgeschlossen für Kinder, die jünger als acht Jahre sind, bleiben aber Radfahr- oder Schutzstreifen.

"Das kommt der Anregung des ADFC zur Wahlfreiheit von Kindern bis zum achten Geburtstag ein Stück weit entgegen", merkt Huhn an. Der Jurist weist ausdrücklich darauf hin, dass es schon heute die Pflicht gibt, bei einer Fahrbahnquerung abzusteigen – diese Regel ist jedoch kaum bekannt. Huhn fürchtet, dass sie auch zukünftig von der Begleitperson ignoriert werden wird.

Wann das Gesetz in Kraft tritt, ist noch unklar. Der Bundesrat hatte am 23. September 2016 über die Begleitung von Kindern auf dem Gehweg entschieden und noch eine Änderung hinzugefügt. Dieser Änderung muss das Bundeskabinett noch zustimmen.