Darf ich meine Vespa oder den E-Roller meiner Freundin in der Stadt überall abstellen, auch auf dem Gehsteig? Platz wäre in unserem Kiez in Berlin ja reichlich, will ZEIT-ONLINE-Leser Benjamin Meisner wissen.

In Großstädten wird es immer enger. Wegen der Nachverdichtung schrumpfen Freiflächen und in manchen Wohnvierteln wird die Parksituation zunehmend schwierig – erst recht, wenn Familien gleich zwei Wagen besitzen. Richtig problematisch wird es, wenn die Fahrzeuge in der Nähe der Wohnung geparkt werden sollen.

Manche Rad- und Rollerfahrer freuen sich heimlich, wenn sie die Nachbarn in ihren Autos ums Karree kreisen sehen, denn sie stellen ihr Zweirad einfach auf dem Bürgersteig ab. Gerade die großzügigen Trottoirs in vielen Berliner Stadtteilen animieren findige Hauptstädter dazu, diese Fläche als idealen Parkplatz für das motorisierte Zweirad zu nutzen.

"Jeder freut sich, wenn er sein Fahrzeug nah am Wohnort abstellen kann. Ein Vorteil von Zweirädern ist gerade, dass das weniger problematisch erscheint", sagt Markus Matzkeit, Fachanwalt für Verkehrsrecht. "Streng genommen wird es hier aber rechtlich kompliziert."

Zunächst einmal: "Fahrräder – und dazu kann man wohl auch E-Bikes und Pedelecs zählen – dürfen nachts nicht auf der Fahrbahn geparkt werden, sie können aber auf dem Gehweg abgestellt werden", erklärt Matzkeit. Schwieriger wird es bei einem Roller. "Die motorisierten Zweiräder sind nachts nur schlecht sichtbar, besonders wenn sie nicht parallel zur Fahrbahn geparkt werden und die Reflektoren Autofahrer nicht warnen. Darum dürfen sie gemäß Paragraf 17, Absatz 4, Satz 4 der Straßenverkehrsordnung nachts nicht unbeleuchtet auf der Straße geparkt werden", sagt der Jurist.

Und wie sieht es mit Gehwegen aus? "Dort darf grundsätzlich nur geparkt werden, wenn das durch entsprechende Verkehrszeichen ausdrücklich erlaubt wird", antwortet Matzkeit. Nicht immer gibt es genügend Platz und gerade in der Dunkelheit gefährden auf dem Bürgersteig geparkte Motorräder oder Roller Fußgänger, etwa wenn das Fahrzeug umfällt oder es zu eng ist.

"Das ist grundsätzlich nicht zulässig", erläutert der Verkehrsexperte. "Zumindest nachts sind also sowohl die Fahrbahn als auch der Gehweg für motorisierte Zweiräder tabu." Matzkeit fügt allerdings hinzu: "Gleichwohl wird das Parken von Rollern auf dem Bürgersteig – und teilweise auch von Motorrädern – in der Praxis vielfach geduldet."