Wer einen VW Bus fährt, lebt frei von bürgerlichen Zwängen, ökologisch und alternativ. Vor allem die Kalifornier haben dieses Image geprägt. Danke, liebe Hippies, denkt man offenbar in Wolfsburg und hat das traditionelle Thema Bus neu interpretiert: Auf der Automesse NAIAS in Detroit präsentiert Volkswagen den Buzz. Er wird mit Strom angetrieben, er soll vollautomatisiert fahren können, und das Serienfahrzeug könnte 2020 aussehen wie der Buzz.

Könnte. Genau so formuliert es Volkswagen in der Pressemeldung. Im Konjunktiv also, und schon wächst die Skepsis, ob VW der schönen Ankündigung konkrete Taten folgen lässt. Denn es ist nicht das erste Mal, dass der Autohersteller einen batterieelektrisch betriebenen Bus zeigt. Vor einem Jahr stand die Studie BUDD-e auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas. Während das Design des BUDD-e zeitgemäß und modern wirkte, ist der Buzz Retro pur. Er ist der Versuch, über die beliebte und positiv besetzte Grundform aus den Sechzigern Vertrauen zurückzugewinnen. Die Botschaft lautet: Seht her, wir haben verstanden. Schluss mit Dieselgate. Jetzt bewegen wir uns elektrisch.

Stefan Bratzel, der Direktor des Center Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, bringt das Problem auf den Punkt: "Im Zuge des Abgasskandals hat die Automobilindustrie im Allgemeinen und Volkswagen im Besonderen enorm an Glaubwürdigkeit verloren." Und die könne nur Stück für Stück "durch das Einhalten von Versprechen und durch hochwertige Produkte" wiederhergestellt werden. Macht es einfach, und wir glauben euch.

Jede Reservierungsnummer ein Vertrauensbeweis

In scharfem Kontrast zu allen klassischen Autoherstellern steht hingegen Tesla. Die Kalifornier stellten 2016 die Mittelklasselimousine Model 3 vor. Nach der im Livestream übertragenen Präsentation durch Tesla-Gründer Elon Musk pilgerten mehrere Hunderttausend Menschen zu den Händlern, um 1.000 Dollar (oder andere lokale Währungen) abzugeben. Für das Geld bekamen sie eine Reservierungsnummer – und das Unternehmen so einen zinslosen Kredit in Höhe von geschätzt mehr als 300 Millionen Dollar. Obwohl das Model 3 wohl erst 2018 in nennenswerter Stückzahl gebaut wird. Ein Vorgang, von dem die konventionelle Autoindustrie nur träumen kann – so sieht Vertrauen aus!

Sind Volkswagen, General Motors und Toyota also untätig, fährt Tesla den anderen davon? Eine solche Vermutung wäre ein Fehler. Vielmehr ist es notwendig, differenziert zu betrachten, wer was in welcher Form ankündigt. Es gilt, siehe oben: Lesen Sie das Kleingedruckte!

Denn klar ist: Ob Buzz oder BUDD-e: Ein solches Fahrzeug wird kommen. Volkswagen wird seinen neuen Modularen Elektrifizierungsbaukasten (MEB), auf dessen Basis VW den hausinternen Golf-Konkurrenten I.D. ab 2020 in Serie fertigen wird, auch für einen Bus oder Van nutzen – nur die Gestalt ist noch nicht definiert. Zumindest nicht nach außen. Herbert Diess, früher bei BMW und seit 2015 Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen, formuliert zuversichtlich das Gesamtziel: "Bis 2025 wollen wir eine Million Elektroautos pro Jahr verkaufen." Zwei batterieelektrische Autos hat Volkswagen schon heute im Programm, e-Up und e-Golf.