Zwischen einem sehr guten Nahverkehr und einem miesen Angebot können nur 25 Kilometer liegen. In Bonn kann man erleben, wie es mit Bussen und Bahnen gut vorangeht – wer anschließend eine kurze Strecke den Rhein abwärts fährt, findet in Köln das Gegenstück. Dass dort der öffentliche Nahverkehr, kurz ÖPNV, nicht überzeugt, hat einen entscheidenden Grund: Netz und Takt sind erheblich schlechter. Das ist das Ergebnis eines bundesweiten ÖPNV-Vergleichs, der ZEIT und ZEIT ONLINE exklusiv vorliegt.

Dafür hat das Hamburger Beratungsunternehmen Civity für mehr als 50 große deutsche Städte die Abfahrten aller Busse und Bahnen von allen Haltestellen zusammengezählt und durch die Zahl der Einwohner geteilt. Die Zahlen zeigen, wie groß das Gefälle innerhalb der Republik ist. Zu den besten Städten gehören neben Bonn auch Würzburg und Dresden. Schlusslichter sind, abgesehen von Köln, noch Duisburg und Hamm.

Auch die Preise für die Fahrscheine unterscheiden sich gewaltig, selbst wenn man die Kaufkraft in den verschiedenen Städten berücksichtigt. Und der Preis sagt über die Qualität des Angebots nichts aus: Ein guter Nahverkehr kann vergleichsweise günstig sein wie in Potsdam, ein mieser kann teuer sein wie in Duisburg. Das zeigt das folgende Streudiagramm. Grob lässt sich sagen: Die Städte oben links bieten ein eher günstiges und gutes Angebot, in den Städten rechts unten ist der Nahverkehr eher teuer und weniger gut.

Hinter den großen Unterschieden stecken laut Civity vor allem politische Gründe. Die Güte des jeweiligen Nahverkehrs spiegelt den Stellenwert wider, den eine Stadt ihren Bussen und Bahnen über Jahrzehnte eingeräumt hat. Lange bekam das private Auto vielerorts den Vorzug. Und bekommt es oft noch heute. Das zeigt sich, wenn man die Entwicklung der Parkgebühren in den Innenstädten mit dem Anstieg der Ticketpreise im Nahverkehr vergleicht.

Die Parkplätze

Viele fahren lieber Auto – auch weil die Preise für Bus und Bahn in elf ausgewählten großen Städten deutlich stärker gestiegen sind als die Parkgebühren. Inflationsbereinigt wurde Parken seit 2006 sogar um 1,5 Prozent billiger.

Quelle: Civity © ZEIT-Grafik

Dabei wäre angesichts von Klimawandel und Feinstaubdebatte ein attraktiver öffentlicher Nahverkehr wünschenswerter denn je. Zumal er genutzt wird wie nie. Kürzlich erst verkündete der Verband der ÖPNV-Unternehmen, der VDV, eine neue Rekordzahl: 2016 fuhren in Deutschland rund 10,2 Milliarden Fahrgäste mit öffentlichen Bussen, Straßenbahnen und Zügen. Das sind 1,8 Prozent mehr als 2015 und 7 Prozent mehr gegenüber 2006.

Daten von Civity zeigen: Dort wo das Angebot vergleichsweise gut ist, wird es auch stärker genutzt als in Städten mit eher mäßigem Nahverkehr.

Je mehr Abfahrten ein ÖPNV bietet, desto beliebter ist das Angebot

Mit steigender Zahl der Haltestellenabfahrten wird ein ÖPNV-Angebot häufiger genutzt. Ein Beispiel: Berlin bietet rund 15 Haltestellenabfahrten pro Hektar Siedlungsfläche. 27 Prozent der Wege werden dort mit öffentlichen Verkehrsmittel zurückgelegt.

Quelle: Civity © ZEIT ONLINE