Ginge es nach Umweltschützern, wäre der Diesel wohl ein "Unwort des Jahres". Der Motor, den Rudolf Diesel vor 125 Jahren erfand und in Berlin zum Patent anmeldete, ist vom Welterfolg und Paradebeispiel deutscher Ingenieurskunst zum Fortschrittsbremser und Schmuddelkind geworden – vor allem durch den millionenfachen Abgasbetrug bei Volkswagen.

Dabei könnte die früher oft als "Traktor" mit nagelndem Lärm verspottete Antriebsart übergangsweise durchaus eine Zukunft haben: Moderne "rationelle Wärmekraftmaschinen" sind ökologisch im Vorteil. Der Präsident des Autoverbands VDA, Matthias Wissmann, glaubt an "einen neuen Frühling" der klassischen Motoren – mit synthetischem Ökosprit.

Die Senkung des Verbrauchs – und damit auch des Klimagases CO2 – gelang dem Diesel besser als Benzinern, weil der Motor durch die Selbstentzündung des Kraftstoffs unter Druck im Zylinder effizienter arbeitet. Dafür stoßen Diesel im Schnitt aber größere Mengen Stickoxide (NOx) aus, die bei hoher Konzentration als Atemgifte wirken können. Die Behörden der USA sind besonders sensibel bei NOx und Feinstaub, die der EU hingegen beim CO2- Ausstoß. Für deutsche Autobauer sind Dieselfahrzeuge bedeutender als für ihre Konkurrenz in Übersee. Erst der Ausbau der Elektromobilität und weiterer Alternativen wie Brennstoffzelle oder Erdgasmotor dürfte die Marktanteile grundsätzlich verschieben.

In der Wirtschaft ist der Dieselantrieb heute kaum wegzudenken: Auf den Weltmeeren fahren Containerriesen mit teils haushohen Dieselaggregaten. Auch Kreuzfahrtschiffe und vor allem der Lkw-Verkehr sowie viele Maschinenantriebe dürften noch länger auf ihn angewiesen sein.

Jetzt noch eine Verbotsdiskussion

Als wären die gefälschten Werte zum Ausstoß von Stickoxiden bei aktuellen Diesel-Pkw-Modellen nicht schon genug, wird jetzt diskutiert, ob der selbstzündende Antrieb aus städtischen Umweltzonen verbannt werden kann und sollte. Mitte Februar hatte Deutschland den letzten blauen Brief aus Brüssel bekommen. Nachdem die EU-Kommission schon vor Jahren ein Vertragsverletzungsverfahren wegen der Nichteinhaltung der Grenzwerte für Stickstoffdioxid (NO2) angestrengt hatte, steht nun eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof unmittelbar bevor. Und die grün-schwarze Landesregierung von Baden-Württemberg hat am Dienstag die Möglichkeit eines Fahrverbotes für ältere Dieselautos bei besonders hoher Feinstaubbelastung geschaffen. Die DUH hat 16 Städte wegen der Überschreitung der Stickoxid- und teilweise auch der Feinstaub-Grenzwerte verklagt.

Wie ist der Stand der Dinge?

Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte schon im Sommer einen Gesetzentwurf erarbeiten lassen, der die Einführung einer blauen Plakette und gezielte Fahrverbote für besonders schmutzige Fahrzeuge ermöglichen würde. Dieses Gesetz, bedauerte sie am Mittwoch, liege seit Wochen im Verkehrsministerium – Alexander Dobrindt (CSU) nehme aber keine Stellung dazu.