Welche Kindersitze sind wann wie vorgeschrieben? Vorn oder hinten? Und wann muss man welchen Airbag ausschalten?, will ZEIT-ONLINE-Leser Tim Gutmann wissen.

Kinder im Auto sind besonders gefährdet, denn die Innenraumgestaltung mit ihren Sicherheitselementen ist auf erwachsene Insassen ausgerichtet. Hier helfen Kindersitze weiter. "Es sollte selbstverständlich sein, dass wir Erwachsene uns um die Sicherheit der Kleinen kümmern", sagt der Rechtsanwalt Markus Matzkeit. Gut und zuverlässig schützt aber nur ein guter Kindersitz, der zudem auf die jeweilige Größe und das Gewicht des Kindes abgestimmt sein muss.

Der Sitz muss allgemein geprüft und zugelassen sein. "Das ist der Fall, wenn ein orangefarbenes Prüfsiegel vorhanden ist, das entweder den Vermerk ECE R44/03 oder ECE R44/04 und eine Prüfziffer, die mit 03 oder 04 beginnt, trägt oder den Vermerk ECE R129 hat", erläutert Matzkeit.

Die Abkürzung ECE (Economic Commission for Europe) – auch als E-Kennzeichen, E-Kennzeichnung oder E-Kennung gebräuchlich – findet sich auf genehmigungspflichtigen Bauteilen an Kraftfahrzeugen. Das Siegel besagt, dass für das damit gekennzeichnete Bauteil die erforderlichen Prüfungen und Genehmigungen durchgeführt wurden. Alle am ECE-Verfahren teilnehmenden Staaten und deren Behörden erkennen diese Bauartgenehmigung untereinander an.

Das ältere System ECE R44 stellt allein auf das Gewicht des Kindes ab. Hier gibt es vier Klassen. Sitze der Klasse 0 (bis 13 Kilogramm Körpergewicht) dürfen nur entgegen der Fahrtrichtung verwendet werden. Die Sitze der Klassen I (9 bis 18 Kilogramm), II (15 bis 25 Kilogramm) und III (22 bis 36 Kilogramm) werden in Fahrtrichtung montiert.

Das neuere System ECE R129 bezieht sich dagegen auf die Größe des Kindes, denn es zeigte sich, dass das Gewicht sich nur eingeschränkt als Maßstab eignet. Hier gibt es folgende Klassen:

  • Klasse Q0: für Kinder mit einer Körpergröße bis zu 60 Zentimetern
  • Klasse Q1: Körpergröße zwischen 60 und 75 Zentimetern
  • Klasse Q1.5: Körpergröße zwischen 75 und 87 Zentimetern
  • Klasse Q3: Körpergröße zwischen 87 und 105 Zentimetern
  • Klasse Q6: Körpergröße zwischen 105 und 125 Zentimetern
  • Klasse Q10: für Kinder mit einer Körpergröße von über 125 Zentimetern

Wird gegen die Kindersitzpflicht verstoßen, droht ein Bußgeld. Ist nur ein Kind betroffen, sind es 60 Euro, bei mehreren Kindern 70 Euro Strafe. Zusätzlich erhält der Fahrer in jedem Fall einen Punkt im Fahreignungsregister.

"Für Verwirrung sorgt auch immer das Thema Airbag", sagt Matzkeit. "Bei rückwärtsgerichteten Kindersitzen, insbesondere Babyschalen, auf dem Beifahrersitz muss der Airbag zwingend abgeschaltet werden. Ansonsten droht das Kind durch einen sich öffnenden Airbag zerquetscht zu werden." Verstößt man dagegen und wird erwischt, muss man mit einem Bußgeld von 25 Euro rechnen. Auf die Gefahr muss zudem hingewiesen werden. Ist der Aufkleber nicht vorhanden, droht ein Verwarngeld in Höhe von fünf Euro.

"Wichtiger als diese recht geringen Bußgelder ist aber, dass im Schadenfall die Versicherung die Leistungen kürzen kann", warnt der Rechtsanwalt. "Außerdem: Wer möchte schon für schwere Verletzungen oder gar den Tod eines Kindes verantwortlich sein, nur weil man zu bequem war, einen Airbag abzuschalten?"

Doch auch auf der Rückbank lauern Tücken. Die Kindersitze des weitverbreiteten Isofix-Systems lassen sich häufig nur auf den äußeren Plätzen montieren. Das heißt: Selbst wenn es Platz für drei Kindersitze nebeneinander gibt, dürfen diese nur dort angebracht werden, wo sie sich auch sicher befestigen lassen. Wenn die Vorgaben im Hinblick auf Airbag und Isofix beachtet werden, kann frei gewählt werden, ob der Kindersitz vorn oder im Fond montiert wird.