Es ist nicht lange her, da hielt sich das Automobiljahr noch an feste Regeln. Die Branche traf sich zu den großen Messen, in Detroit, Genf, Frankfurt oder Paris, und präsentierte einem gleichermaßen bekannten wie routinierten Publikum Konzeptstudien und neue Serienmodelle. Doch seit einiger Zeit werden diese Regeln aufgebrochen. Auf Hightech-Messen wie der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas oder dem gerade stattfindenden Mobile World Congress in Barcelona zeigen IT- und Kommunikationsunternehmen ihre Ambitionen im Automobilsektor, und die Hersteller präsentieren keine ganzen Autos mehr, sondern neue Bedienkonzepte, Apps und Service-Angebote. Plötzlich interessieren sich Computerzeitschriften und Newsblogs für den vierrädrigen Begleiter.

Das Auto wird zum Teil des Internet der Dinge, der allumfassenden Vernetzung von Mensch, Heim und Welt. Wir steigen bald nicht mehr nur ein, um von A nach B zu kommen, so die Zukunftsforscher, nein, wir leben im Auto, es soll Teil unseres Alltags werden: ein bisschen Wohnzimmer, ein bisschen Büro, ein bisschen Kinosaal.

Das alles funktioniert nur, wenn der Wagen nahtlos in unsere Welt eingebunden ist. Also mit unserem Smartphone kommunizieren kann, unser Amazon-Konto kennt und unsere Heizung steuern kann. Genau auf diesem Gebiet brauchen die etablierten Autohersteller Unterstützung aus der IT-Branche – wer hundert Jahre lang Blech verformt und Motoren optimiert hat, wird nicht über Nacht zum Experten für Bits und Bytes.

Das Auto kombiniert Kalender und Staudaten

Wie schnell die Hersteller allerdings lernen, zeigt zum Beispiel Mercedes-Benz. Auf dem Messestand in Barcelona präsentiert sich der Stuttgarter Hersteller Start-up-jugendlich und rückt unter anderem seine Connectivity-Sparte Mercedes Me ins Rampenlicht. Die greift das bereits auf der CES gezeigte Konzept Fit & Healthy auf, diesmal allerdings ohne direkten Bezug zum Auto. Ging es in Las Vegas darum, mit der Sitzmassage oder über Musik und Beduftung für ein gutes Gefühl während der Fahrt zu sorgen, steht jetzt in Barcelona die komplette Einbindung in den Alltag im Fokus. Ein Beispiel: Das System kennt den Kalender und die aktuellen Staudaten – damit berechnet es individuell, wann der Wecker klingeln muss.

Außerdem präsentieren die Stuttgarter ihre neuesten Entwicklungen mit Virtual Reality. Anstatt sich mit zweidimensionalen Konfiguratoren oder einem Papierkatalog rumzuschlagen, kann der Kunde sein Wunschfahrzeug im Autohaus zukünftig in 3-D erleben. Mithilfe einer Virtual-Reality-Brille lassen sich verschiedene Ausstattungsdetails live verändern, und der Käufer kann eine virtuelle Spazierfahrt mit seinem künftigen Auto unternehmen.

Mit Virtual-Reality-Brillen können Besucher das Mercedes-Elektroauto EQ virtuell erleben. © Michael Gebhardt/SP-X

Ganz ohne Brille ist in Barcelona eine Weiterentwicklung von Daimlers Bediensoftware zu bestaunen: Das neue E-Klasse Coupé enthält das jüngste Update, bei dem die beiden übergroßen Displays im Armaturenbrett deutlich besser synchronisiert sind. Das heißt: Stellt der Fahrer im ehemaligen Kombiinstrument beispielsweise den Sportmodus ein, wird auch die Grafik auf dem Infotainmentbildschirm in der Mittelkonsole angepasst. Hier gab es früher eine kleine Verzögerung. Deren Beseitigung wird inzwischen so gefeiert wie früher ein paar PS mehr.

Die Welt nur noch über Bildschirme sehen

Während auf der Messe überall von 5G, also dem neuen Highspeed-Internet die Rede ist, und Intel demonstriert, wie man die neue Technik in der Antenne eines 5er BMW unterbringen könnte, packt Ford erst mal noch 4G ins Auto. Am Rande des Mobile World Congress hat der Hersteller angekündigt, zusammen mit Vodafone seine europäischen Modelle mit einem LTE-Modem auszurüsten. Aber auch der Telefonanbieter selbst zeigt an seinem Stand eine Studie und beschäftigt sich mit dem Thema Virtual Reality – in dem scheibenlosen Fahrzeug sehen die Insassen die Welt nur noch über Bildschirme.

Fast schon bodenständig mutet dagegen die neue Ladelampe von Infineon an. Der Halbleiter-Konzern hat in eine Straßenlaterne eine Steckdose integriert, an der Elektroautos Strom tanken können. Gleichzeitig kann die Leuchte sich aber auch selber dimmen. Außerdem kann sie per Radar die Umgebung nach freien Parkplätzen absuchen – die könnten dann über einen Server an die Autos gesendet werden, die gerade in der Gegend umherfahren. Dazu müssen die Fahrzeuge dann natürlich voll vernetzt und online sein.