Köln und Duisburg bieten ihren Einwohnern eine besonders schlechte Anbindung an Bus und Bahn. Das geht aus Fahrplandaten von mehr als 50 großen deutschen Städten hervor, die das Beratungsunternehmen Civity exklusiv für ZEIT und ZEIT ONLINE ausgewertet hat. Es ist der erste bundesweite Vergleich dieser Art.

Besonders gut schneiden darin Dresden, Bonn und Würzburg ab. Auf den hinteren Rängen finden sich neben Köln und Duisburg die Städte Hamm, Ludwigshafen und Erfurt. Die Großstädte Hamburg, Frankfurt am Main und Berlin liegen im Mittelfeld. Für die Analyse hat Civity in jeder Stadt die Abfahrten aller Busse und Bahnen von allen Haltestellen zusammengezählt und durch die Zahl der Einwohner geteilt.

Die Werte ermöglichen nicht nur einen aussagestarken Vergleich der Städte jenseits subjektiver Umfragen. Sie spiegeln auch wider, wie dicht das Nahverkehrsnetz ist und wie häufig Busse und Bahnen fahren. In Köln und Duisburg gibt es pro Einwohner nur halb so viele Haltestellenabfahrten wie in Dresden und Bonn.

"Die Höhe der Unterschiede lässt sich nicht logisch, fachlich oder geografisch erklären", sagt Stefan Weigele, Geschäftsführer von Civity. "Sie sind häufig das Ergebnis eines fehlenden verkehrspolitischen Gesamtkonzepts und politischer Einflussnahme auf die Verkehrsverbünde und Verkehrsunternehmen vor Ort."

Parkgebühren steigen moderater als Ticketpreise

Die Untersuchung von ZEIT und ZEIT ONLINE zeigt außerdem, wie weit die Ticketpreise auseinanderklaffen – selbst wenn man die Kaufkraft berücksichtigt. Auch dann ist ein Einzelfahrschein etwa in Nürnberg rund 40 Prozent teurer als in Ulm. Ein hoher Preis garantiert auch nicht, dass die Fahrgäste besonders viel dafür bekommen: Preisbereinigt zählt der Nahverkehr in Duisburg zu den teuersten in der Auswertung.

Der Zustand des öffentlichen Nahverkehrs spiegelt den Stellenwert wider, den Busse und Bahnen in den Städten über Jahrzehnte gehabt haben. Vielerorts war den Kommunalpolitikern das Auto wichtiger, und es wird bis heute begünstigt. Den Daten von ZEIT und ZEIT ONLINE zufolge sind die Ticketpreise im Nahverkehr von elf großen Städten – darunter Berlin, München, Hamburg und Köln – in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gestiegen, während die Parkgebühren nur um 12 Prozent zugelegt haben. Inflationsbereinigt ist es sogar billiger geworden, in den Innenstädten zu parken.

Die aktuelle Ausgabe der ZEIT beantwortet die Frage, warum der Nahverkehr in Deutschland so gravierende Unterschiede aufweist, warum Dresden so weit vorn liegt und Köln am Ende. Und wie schwierig die Finanzierung eines guten Angebots in Zukunft wird. Ab Mittwochabend in der iPad-App und ab Donnerstag am Kiosk. Lesen Sie ab Donnerstag exklusiv auf ZEIT ONLINE: Wie gut ist der Nahverkehr in Ihrer Stadt? Die Datenanalyse aus mehr als 50 Städten. Dazu Interviews mit Verkehrsexperten und ein Ortsbesuch in Potsdam, wo (fast) alles richtig gemacht wurde.