Bauarbeiter waren gerade dabei, auf der Autobahn A5 nördlich von Karlsruhe zwischen dem Rasthof Bruchsal und Kronau eine Baustelle einzurichten – da raste ein Tesla Model S mit hoher Geschwindigkeit in die Sperrwand, die die Autofahrer auf der Überholspur auffordern sollte, die Fahrbahn zu wechseln. An jenem 28. November 2016 erhielt die Freiwillige Feuerwehr Bruchsal kurz nach halb zwölf mittags die Mitteilung über den Unfall.

Bernd Molitor leitete den ungewöhnlichen Einsatz. "Für uns war es der erste Unfall mit einem Elektroauto", sagt der Kommandant der Feuerwehr. Als die Einsatzkräfte an die Unglücksstelle kamen, hatte sich der schwer verletzte Fahrer bereits selbst aus seinem völlig zerstörten Fahrzeug befreit. "Somit war der Druck der Personenrettung schon mal weg, und wir hatten Zeit, technische Fragen im Zusammenhang mit dem Auto zu klären."

Zunächst rief die Feuerwehr bei Tesla in den USA an, um zu klären, ob das Fahrzeug nach einem Unfall spannungsfrei ist. Elektroautos haben Hochvoltanlagen mit 400 bis 600 Volt, die starken Stromschläge sind tödlich. Die Amerikaner aus der Firmenzentrale verwiesen an die Tesla-Niederlassung in Frankfurt am Main. "Dort bekamen wir die Auskunft, dass beim Auslösen auch nur eines Airbags die Hochvoltanlage von den Batterien getrennt wird und somit keine Gefahr mehr besteht, beim Berühren der Karosserie einen Stromschlag zu bekommen", berichtet Molitor.

Der Tesla-Mann sagte auch, dass das abgeschleppte Fahrzeug wegen der bestehenden Brandgefahr des Akkus im Freien und nicht in einer Halle abgestellt werden solle. Brandgefahr besteht vor allem dann, wenn die Batteriezellen beschädigt sind. Nach knapp zwei Stunden war die Unfallstelle geräumt.

Wie weit muss die Erste Hilfe gehen?

Die Frage, welche Gefahr von den neuen Fahrzeugen ausgeht, stellt sich nicht nur für die Feuerwehr, sondern auch für diejenigen, die als Erste zum Unfallort kommen. Denn grundsätzlich gilt die Pflicht, Erste Hilfe zu leisten – wer sie verweigert, macht sich strafbar. Aber kein Grundsatz ohne Ausnahmen: "Man muss nur das machen, was zumutbar ist, und das auch nur entsprechend der individuellen Kenntnisse", sagt der Jurist Jost Kärger vom ADAC. Von einem Arzt oder Feuerwehrmann wird mehr erwartet aufgrund derer Fachkenntnisse als beispielsweise von einem Bäcker oder Verkäufer.

Rettung müsse in jedem Falle gerufen werden, so Kärger. Von einem einigermaßen kräftigen Mann könne zudem erwartet werden, dass er ein Unfallopfer aus dem Auto birgt, sofern es zugänglich ist; für eine Frau können andere Regeln gelten.

Allerdings gilt: "Man muss sich nicht selbst gefährden", betont der ADAC-Anwalt. Dazu muss man aber erst einmal wissen, was für ein Fahrzeug in den Unfall verwickelt ist. Wer sich mit Autos auskennt, weiß, dass Tesla ausschließlich Elektroautos herstellt – der Markenname am Auto ist damit ein Hinweis darauf. Außerdem haben manche Elektrofahrzeuge ein "E" nach den Zahlen im Nummernschild. Doch das ist freiwillig, ähnlich dem "H" für Oldtimer. Die Wagen können, müssen aber keine speziellen Nummern haben.

"Bei einem Unfall mit einem Elektroauto gilt dieselbe Regel wie bei jedem anderen Unfall: Die Frage des Zumutbaren ist immer eine individuelle", sagt Kärger. Sein ADAC-Kollege Thomas Unger, beim Autoclub zuständig für die Unfallforschung, fügt an: "Nach einem Verkehrsunfall mit einem Auto besteht immer eine Gefahr für die Helfer, unabhängig von der Antriebstechnologie."