Der Schrecken hat einen Namen: Zahnärztestraße. So nennen die Energieversorger eine der großen Herausforderungen, wenn das Zeitalter der Elektromobilität richtig anbricht. Dann werden sich wohlhabende Privatleute teure Hochleistungssportwagen und SUV von Porsche, Tesla oder Mercedes anschaffen, die allesamt mit Strom fahren – der dann aus der passenden Schnellladestation in der Triple-Garage der heimischen Villa kommt. "Wenn die alle in einem Wohngebiet zeitgleich ihre Elf-Kilowatt-Wallboxen anwerfen, gehen die Lichter aus", beschreibt Timo Sillober den Horroreffekt.

Sillober leitet beim baden-württembergischen Stromkonzern EnBW die Bereiche Produkt- und Angebotsmanagement und Digitalisierung und ist dort mit dem kommenden Elektroboom befasst. Seine Tüftler haben schon eine Lösung für das Problem mit den E-Pionieren: "Wir brauchen eine intelligente Steuerung der Ladegeräte, damit wir dann mit dem Laden beginnen, wenn Strom weniger nachgefragt ist."

Daran arbeitet nicht nur EnBW. Auch Zulieferern wie Bosch und Mahle, der Landesregierung und den im Südwesten angesiedelten Herstellern Porsche und Daimler ist klar: Allein mit der Investition in die Fahrzeuge wird die Elektromobilität kein Erfolg. Deswegen wollen sie die Wiege der diesel- und benzingetriebenen Mobilität jetzt zum Musterländle der Elektromobilität ausbauen.

Eine fette Batterie auf Rädern reicht nicht

Franz Loogen soll so etwas wie der Chefdirigent des Vorhabens werden. Das Ziel: Die verschiedenen Angebote "vom Pedelec über das Elektro-SUV bis zum Brennstoffzellenbus sollen auf die Straße gebracht und vernetzt werden", sagt der Geschäftsführer der Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie. Der Kraftakt ist dringend nötig, denn in China und Kalifornien etwa sind die Anstrengungen für die elektromobile Wende schon weiter. Deutschland benötigt deswegen solche Projekte.

Und die Hersteller brauchen dazu die Infrastruktur. Porsche hat für 2019 einen vollelektrischen Sportwagen angekündigt, der mit 800 Volt Spannung seine Riesenakkus für 500 Kilometer Reichweite in nur 15 Minuten zu 80 Prozent laden soll. Mercedes will bis 2025 gleich zehn vollelektrische Fahrzeugmodelle auf den Markt bringen. Beiden Anbietern ist klar, dass das nur funktionieren wird, wenn die Rahmenbedingungen stimmen – nicht nur wegen des Zahnärzteproblems.

Für den Durchbruch der Elektromobilität müsse zudem "endlich das Dauerthema Reichweite aus den Köpfen der Kunden", sagt Mathias Pillin, der Leiter des Bereichs Elektromobilität bei Bosch. Also die Angst der Fahrer, dass im kalten Winter nach 100 Kilometern die Batterie in die Knie geht und der Halt an der nächsten Ladestation die Fahrt um Stunden unterbricht. Bosch gibt darum jährlich 400 Millionen Euro für Entwicklungen aus, die diese Mängel der heutigen Elektromobilität beenden sollen.

Eine fette Batterie auf Rädern reiche eben nicht, sagt Pillin. Sie mache die Autos nur unheimlich teuer. Für den Gutverdiener ist das vielleicht kein Problem, für massentaugliche Angebote aber unverträglich. Die neuen elektrischen Achsen von Bosch sind derzeit weltweit stark nachgefragt, weil sie kompakt, leichter und effizienter sind. Der Effekt: Energie wird nicht mehr so stark verpulvert, und die Preise könnten bei gleicher Leistung um bis zu 30 Prozent sinken.