Das Europaparlament hat den Vorschlag eines kostenlosen Interrail-Tickets zum 18. Geburtstag eines jeden EU-Bürgers "mit Wohlwollen zur Kenntnis" genommen. Dieses Projekt könne "das europäische Bewusstsein und die europäische Idee" stärken, heißt es in einer verabschiedeten Entschließung zu den Leitlinien des EU-Haushaltes 2018.

Das Projekt dürfe allerdings nicht auf Kosten anderer erfolgreicher Programme – vor allem im Bereich Jugend und Kultur – finanziert werden. Die EU-Kommission solle nun die "potenziellen Kosten und Finanzierungsquellen" dieser Initiative bewerten.

Mit dem Ticket greift die EU die Idee der beiden Berliner Aktivisten Vincent Herr und Martin Speer auf, die mit dem #FreeInterrail-Ticket die europäische Identität stärken wollen: Danach soll jeder Europäer zu seinem 18. Geburtstag einen Gutschein für ein solches Ticket bekommen. Damit hätten alle Jugendlichen die Möglichkeit, Europa zu bereisen, fremde Menschen kennenzulernen und Vorurteile abzubauen.

Im September 2016 wurde das Projekt vom Vorsitzenden der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP), dem CSU-Politiker Manfred Weber, angestoßen. Die sozialdemokratische Fraktion bewertet das jedoch kritisch. "Ein solches Projekt ist mit den derzeitigen Finanzmitteln der EU einfach nicht realisierbar", sagte der SPD-Abgeordnete Jens Geier. Um jungen Erwachsenen zu Auslandserfahrungen zu verhelfen, solle die EU demnach besser gut funktionierende Programme zum Jugendaustausch, wie Erasmus Plus, stärken.

Auch EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc hatte die Idee des kostenlosen Interrail-Tickets Anfang Oktober zwar für gut befunden, zugleich aber auf Finanzierungsschwierigkeiten verwiesen. Als Alternative hatte sie unter anderem eine Lotterie ins Gespräch gebracht, über die eine bestimmte Anzahl von Tickets verlost werden könnte.

Mit einem Pilotprojekt soll in diesem Jahr das kostenlose Interrail-Ticket starten. Noch gibt es aber Schwierigkeiten. So dürfe aus Wettbewerbsgründen die Bahn als Verkehrsmittel nicht bevorzugt werden, zum anderen ist die Frage, wie man Jugendliche, insbesondere benachteiligte, erreichen kann. Diskutiert wird deshalb die Verteilung über Schulen. Die EU-Kommission erwägt nach Informationen von ZEIT ONLINE, die Gutscheine an Jugendliche ab 16 Jahren zu verteilen, die über das Schulprogramm eTwinning an Projekten teilgenommen haben. In Brüssel ist von rund 10.000 Gutscheinen die Rede, die in der Pilotphase verteilt werden könnten.

Z2X - Diese Ideen wollen wir weiterverfolgen Ein globales Trinkgeld einführen, Flüchtlinge retten und einen Ort für politische Diskussion – diese Ideen haben die Jury und die Besucher des Festivals Z2X überzeugt.