Es braucht meist nur wenige Sekunden, um ein gewöhnliches Fahrradschloss zu knacken. Gerade Besitzer von Elektrofahrrädern und anderer hochpreisiger Bikes lassen selbst mit einem etwas teureren Schloss ihr Zweirad ungern einfach so im Freien stehen, selbst wenn es etwa an einem Laternenmast angekettet ist. Pro Jahr werden in Deutschland mehr als 300.000 Fahrraddiebstähle angezeigt – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher sein. Nur neun Prozent der Fälle werden aufgeklärt. Vor allem in den Großstädten ist Fahrraddiebstahl allgegenwärtig.

Auch Claudine Oldengott hat damit ihre Erfahrungen gemacht. "Insgesamt drei Mal wurden mir Fahrräder in meiner Schul- und Studienzeit geklaut", sagt die 27-Jährige, die aus einer Unternehmerfamilie kommt. Aus dem Schaden hat sie ein Geschäftsmodell gemacht: Sie hat in Berlin ein Start-up für smarte Fahrradboxen gegründet. Dort ist das Bike deutlich besser als im Freien geschützt

Velo Easy verbindet die schon länger existierende Idee der Fahrradbox mit den neuen digitalen Möglichkeiten. Der sicherheitsaffine Radfahrer kann eine Velo-Easy-Box per App mieten. Er registriert sich, findet eine freie Box in der Nähe des gewünschten Standorts und bucht sie. Auch geöffnet wird das Fahrrad-Schließfach per App. Spontan einen sicheren Ort für sein Bike zu buchen, ist so möglich. 50 Cent kostet die Box pro angebrochener Stunde. Wer sie für einen Tag mieten will, zahlt einen Euro. Das Angebot existiert bisher nur in Berlin, genauer in den Bezirken Lichtenberg, Schöneberg, Friedrichshain und Karlshorst.

Ähnliche Abstellboxen für Räder gibt es in einigen Städten schon seit Längerem. Sie stehen meist in der Nähe von Bahnhöfen und lassen sich monatlich oder jährlich mieten. Gut für alle, die eine Fahrradbox regelmäßig brauchen. Schlecht allerdings für jene, die für ihr teures Zweirad nur spontan eine sichere Unterbringung benötigen. Denn Boxen wie die von Velo Easy, die man unkompliziert für einen Tag oder sogar nur für wenige Stunden mieten kann, sind bisher selten.

Flexibilität hat ihren Preis

Allerdings: Das Angebot des Berliner Start-ups ist deutlich teurer als eine gemietete Fahrradbox, wenn man sie denn täglich benutzt. Zum Vergleich: In Essen zahlt man 80 Euro pro Jahr, in Stuttgart rund 50 Euro. Aber wer nicht jeden Tag mit dem Zug zur Arbeit fährt und bis zur Haltestelle mit dem Fahrrad fahren will, wird eher keinen teuren Mietvertrag für eine Fahrradbox abschließen. Denn die sind recht unflexibel. In Essen zum Beispiel liegt die Mindestmietdauer bei drei Monaten. Dann kostet jeder Monat 11 Euro.

Doch wie sicher sind die Stellplätze? Wenn es Hackern sogar gelingt, Autoschlösser zu knacken, haben versierte Diebe bei digital verschlossenen Fahrradboxen vermutlich leichtes Spiel. "Technisch erscheint das durchaus machbar", sagt Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC). Allerdings wisse der Dieb ja nicht, ob in der Box wirklich ein Fahrrad steht.