Ich habe immer noch einen alten Kfz-Führerschein. Irgendwann konnte man die "grauen Lappen" eintauschen, das habe ich aber verpasst. Muss ich den alten Führerschein überhaupt gegen einen neuen umtauschen?, will ZEIT-ONLINE-Leserin Astrid Janssen wissen.

Auf Klassentreffen oder Geburtstagspartys von Menschen über 40 amüsieren sich die Gäste schon mal über die Jugendfotos, die alte Führerscheine schmücken. Diese grauen oder rosa Lappen wirken heute ziemlich antiquiert, denn bereits seit 1999 gibt es den EU-Führerschein im Scheckkartenformat. Er soll die unterschiedlichen Führerscheine in der Europäischen Union vereinheitlichen. Seitdem verwenden alle EU-Mitgliedsländer diese Vorlage.

 "Die Führerscheinklassen sind nach der weltweit üblichen Klassifikation durch Buchstaben gekennzeichnet ­– im Gegensatz zu Deutschland, das bis Ende 1998 abweichende Klassendefinitionen mit Ziffern verwendete", sagt der Verkehrsrechtsexperte Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). Mit der Einführung des EU-Führerscheins wurden die deutschen Klassen entsprechend angepasst.

Das bedeutet aber nicht, dass die Inhaber deutscher Führerscheine, die bis Ende Dezember 1998 ausgestellt wurden, aktuell Probleme bekommen. Für diese Papiere besteht grundsätzlich Bestandsschutz. Das heißt, dass niemand, der noch einen grauen oder rosa Lappen besitzt, diesen umtauschen muss.

"Wer diese Fahrerlaubnis besitzt, hat weiterhin einen gültigen Führerschein, der mit den dort aufgeführten Klassen auch im Ausland anerkannt werden muss", erläutert Rechtsanwalt Engelmohr. "Alle Mitgliedsländer der EU haben sich bei Einführung des gemeinsamen Exemplars dazu verpflichtet, die Führerscheine gegenseitig anzuerkennen." Es gebe aktuell keine Hinweise darauf, dass Behörden europäischer Mitgliedsländer diese Vorgabe missachten.

Es gilt aber das Ziel, dass alle EU-Staaten langfristig auf die einheitlichen Führerscheine in Scheckkartenformat wechseln. "Die Mitgliedsländer sollen bis zum 19.01.2033 alle ausgegebenen Führerscheine auf das einheitliche Scheckkartenexemplar umzustellen. Deshalb müssen Altinhaber nur dieses Datum beachten", sagt der AvD-Jurist und fügt hinzu: "Anders sieht es bei Führerscheinen für Lkw und Busse aus, die überwiegend von Berufskraftfahrern genutzt werden. Für sie gilt ein eingeschränkter Bestandsschutz, sie müssen zusätzliche Befristungen beachten und ärztliche Bescheinigungen nachweisen. Auskunft dazu können Führerscheinstellen und Automobilclubs geben."

Mit dem Führerschein in Scheckkartenformat ändert sich allerdings die Gültigkeit. Neue Führerscheine, die seit dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden, haben in jedem Fall das Scheckkartenformat und sind nur 15 Jahre gültig. Wer also einen solchen hat, muss darauf achten, dass anschließend die Karte erneuert werden muss. "Das gilt auch bei der Ersatzausstellung wegen Verlust des alten Führerscheins", sagt Engelmohr. Der Party-Gag mit den Fotos auf den grauen und rosa Lappen verschwindet also spätestens 2033.