Mit der Zukunft kennt sich Italdesign aus. Das hat die italienische Kreativagentur schon Anfang der achtziger Jahre bewiesen: Aus der Feder von Firmengründer Giorgio Giugiaro stammte der DeLorean DMC-12, der bekanntlich durch die Zeit reisen konnte – in der Filmtrilogie Zurück in die Zukunft. Zugegeben, der Flux-Kompensator hat es bislang nicht in die Serienfertigung geschafft und wird wohl auch noch lange auf seine Erfindung warten müssen. Das heißt aber nicht, dass die Designfirma, heute eine Tochter von Audi, nicht weiter an neuen Formen der Mobilität arbeitet.

Zusammen mit Airbus hat Italdesign auf dem Genfer Autosalon jetzt ein Flugauto vorgestellt. Dabei könnte der Kontrast auf dem Messestand von Italdesign kaum stärker sein: Links feiern die Italiener die Weltpremiere des Sportwagens Zerouno auf Lamborghini-Huracán-Basis, der stellvertretend für die "alte Welt" stehen könnte, in der Giugiaro Fahrzeuge wie den BMW M1, den Maserati Quattroporte und den VW Scirocco entwarf. Rechts daneben steht die Zukunft: der Pop.up, der mit bisherigen Autos nicht mehr viel gemein hat. "Wenn man das städtische Fahrzeug der Zukunft entwickeln möchte, kann das herkömmliche Auto nicht mehr die alleinige Lösung für Metropolen sein", sagt Italdesign-Chef Jörg Astalosch.

Herzstück des Pop.up ist eine Passagierkapsel, die optisch irgendwo zwischen Smart, Renault Twizy und BMW i3 einzuordnen ist und zwei Menschen Platz bietet. Prinzipiell sitzt die rundum verglaste Kapsel auf einem Bodenmodul mit vier Rädern und rollt über die Straße, mit Elektroantrieb. Allerdings ohne Lenkrad oder Pedale – das Fahrzeug holt, wenn es per Smartphone-App bestellt wurde, seine Gäste alleine ab und bringt sie autonom an ihr Ziel.

Um dort möglichst schnell hinzukommen, bedient sich Pop.up aber nicht nur der Straße. Wenn der Computer feststellt, dass der Weg durch die Luft die bessere Wahl ist – zum Beispiel, weil auf der Strecke ein Stau zu erwarten ist – ruft er eine überdimensionierte Drohne mit acht gegenläufigen Rotoren. Die aus Kohlefasern gefertigte Kapsel wird von der Bodeneinheit gelöst, an die Drohne angedockt, und schon geht die Reise in einigen Metern Höhe weiter, natürlich auch hier völlig selbstpilotiert. Die beiden Insassen können sich zurücklehnen, den Ausblick genießen oder sich auf der Windschutzscheibe Informationen zur Reiseroute und mehr einblenden lassen.

Auch bei Uber denkt man über Flugautos nach

Haben Boden- und Luftmodule ihre Arbeit verrichtet, kehren sie automatisch zurück zu einer Basisstation, wo sie ihre Akkus wieder aufladen. Auch die Kapseln werden, wenn die Passagiere ausgestiegen sind, wieder aufgeräumt. Denn: In der Zukunftswelt des Pop.up wird kaum mehr jemand so ein Fahr-Flug-Mobil selbst besitzen, es wird einfach bei Bedarf angefordert. Bei der Bestellung können gleich Sonderwünsche angegeben werden, zum Beispiel ein zusätzlicher Stopp zur Bildung einer Fahrgemeinschaft. Der Computer berechnet stets die beste Route und entscheidet selbstständig, ob Pop.up den Weg über die Straße oder durch die Luft nehmen soll.

Ganz neu ist die Idee, dem Stau durch Ausnutzung der dritten Dimension zu entgehen, natürlich nicht. Schon seit den 1980er Jahren basteln verschiedene Tüftler an einem Flugauto. Taxikonkurrent Uber hatte vor einiger Zeit, wenn auch nur auf dem Papier, ähnliche Ideen präsentiert, und auch Google-Gründer Larry Page findet die Vorstellung, einfach abzuheben, ziemlich spannend. Zumindest investierte er 100 Millionen Dollar in ein Projekt, das an so einer Boden-Luft-Lösung arbeitet.

Mit Airbus und der Audi-Tochter Italdesign greifen nun allerdings keine Start-ups an, sondern zwei gestandene Unternehmen, die sich in der Mobilitätsbranche bestens auskennen. Und sie zeigen sich selbstsicher: Schon in sieben bis zehn Jahren könnte Pop.up auf die Straße gebracht werden – beziehungsweise in die Luft.