Der Golf gilt in der Kompaktklasse als Spitzenreiter. Doch bei den Elektromobilen ist der Wolfsburger nicht führend – die E-Auto-Käufer unter den Deutschen bevorzugen Stromer wie BMW i3 und Renault Zoe. Vielleicht hängt das mit dem VW-Prinzip zusammen. Der damalige Konzernchef Martin Winterkorn wollte partout kein Elektroauto, das auf einer eigenen Plattform steht und eine eigene Karosserie hat. Zu teuer, zu riskant.

Der Nachteil: Der Kunde kann mit dem e-Golf kein Statement abgeben, wie umweltbewusst und zukunftsorientiert er unterwegs ist. So wie er es beispielsweise mit einem i3 tun könnte.

Daran ändert sich auch mit der jüngsten Modellpflege nichts, die Volkswagen seinem ab 35.900 Euro erhältlichen Elektro-Golf nach knapp drei Jahren spendiert. Zu erkennen ist der leise und zumindest lokal emissionsfreie E-Antrieb allenfalls an den blauen Zierleisten in den jetzt serienmäßigen LED-Scheinwerfern. Ab 13. April steht der überarbeitete e-Golf bei den Händlern.

300 Kilometer pro Akkuladung – theoretisch

Die größte Änderung findet unter dem Blech statt. Die Kapazität der Batterie steigt von 24,2 auf 35,8 Kilowattstunden (kWh), also um fast 50 Prozent. Entsprechend ändert sich die Reichweite, die VW nun mit 300 statt zuvor 190 Kilometern angibt. Natürlich weiß jeder, dass dieser NEFZ-Wert ein Laborergebnis unter Bestbedingungen ist. Die Realität sieht anders aus. Die Marketingstrategen nennen sie "kundenrelevantes Jahresmittel". Gemeint ist: Je nach Fahrweise, Wetter und Einsatz der Heizung beziehungsweise der Klimaanlage liegt die Reichweite bei rund 200 Kilometern.

"Damit wird der neue e-Golf für nahezu alle beruflichen Pendler zu einer sehr umweltfreundlichen Alternative", sagt Jonas Tousen aus der VW-Abteilung Entwicklung Elektrische Antriebe. Ausprobieren konnten wir das bei der Präsentation des neuen e-Golf noch nicht, denn dafür war die Teststrecke zu kurz. Unser Bordcomputer zeigte bei normaler Fahrweise 15,8 kWh pro 100 Kilometer an, etwas mehr als der Normverbrauch von 12,7 kWh je 100 Kilometer. Dies deutet aber tatsächlich auf gut und gerne 200 Kilometer Reichweite hin.

Zur besseren Effizienz soll auch eine zweite Neuerung beitragen: das Navigationssystem. Es nutzt Streckendaten, um Strom zu sparen. Kommt beispielsweise eine Kurve, eine Abzweigung, ein Kreisverkehr oder ein neues Tempolimit, erscheint im Display der Hinweis "Fuß vom Gas", schon bevor der Fahrer die Verkehrsänderung erkennt.

Änderung Nummer drei: der Elektromotor. Bislang mussten 85 kW (115 PS) den immerhin mehr als 1,6 Tonnen schweren e-Golf (allein die Batterie wiegt 345 Kilogramm) bewegen, künftig sind es 100 kW (136 PS). Damit ist natürlich nicht die Spritzigkeit eines BMW i3 möglich, aber es reicht, um flott unterwegs zu sein. Ohnehin ist die reine Leistung bei einem Elektroauto letztlich nicht so wichtig. Beachtung sollte man dem Drehmoment schenken, es steigt von 270 auf 290 Newtonmeter. Das ist mehr, als der Motor eines Golf 1.8 TSI auf die Kurbelwelle bringt. Und bei einem Elektromotor liegt, physikalisch bedingt, das Drehmoment sofort an, praktisch ab der ersten Umdrehung.