Ein heutiger junger Autofan könnte beim Blick auf das Datenblatt nur müde gähnen: 81 kW, also 110 PS, stehen den Angaben zufolge dem Golf GTI, Baujahr 1976, zur Verfügung. Da hat selbst der Basisdiesel des Golf VII, den Papa zum 18. Geburtstag spendierte, fünf PS mehr.

Doch der oberflächliche Blick übersieht etwas. Darum kurz gerechnet: Masse durch Leistung, so ermittelt man, wie viel Gewicht jedes einzelne "Pferd" schleppen muss. Das macht bei 780 Kilogramm Leergewicht und 110 PS also 7,1 Kilogramm je Pferdestärke. Damit liegt der alte GTI nicht schlecht. Beim neuen 115-PS-Golf mit 1.376 Kilogramm muss jedes einzelne PS rund zwölf Kilo bewegen.

Mit diesem Wissen erscheint der mehr als 40 Jahre alte Veteran doch gleich viel cooler. Nun weisen die Mundwinkel also schon vor Fahrtantritt leicht nach oben. Also rein in den Wagen. In der ersten Reihe kommen sich zwei Personen nah im ersten Golf, das kann man nicht leugnen. Im Fond will man aus heutiger Perspektive erst recht möglichst kurz bis gar nicht ausharren. So ist das bei einem 3,71 Meter langen Gefährt – 26 Zentimeter kürzer als ein aktueller Polo.

Dabei trifft es den Fondpassagier im damals hochmodernen Golf noch gut. Denn die Wettbewerber Ford Escort und Opel Kadett (immerhin auch mit über 100 PS starken Sportversionen gewappnet) setzen Mitte der Siebziger noch auf einen Heckantrieb und müssen ihre Kardanwelle unterbringen. Das kostet Platz.

Kein Auto für Schaltfaule

Sei's drum, wir sitzen ja vorn. Während dem Beifahrer bei der recht steil stehenden Windschutzscheibe nostalgische Gedanken kommen, fällt der Blick des Fahrers unweigerlich auf das Kombiinstrument – ein Drehzahlmesser war damals noch nicht selbstverständlich. Der dürre Zündschlüssel findet den Weg ins Lenkradschloss. Umdrehen, und schon springt der betagte Vierzylinder-Einspritzer an und verharrt knapp unterhalb der tausend Umdrehungen in einem leicht zittrigen Leerlauf.

Der sogenannte Golfball am oberen Ende des Schalthebels liegt gut in der Hand und ist ein Bekannter, den es selbst im aktuellen GTI noch gibt. Nur die Möglichkeiten der Vorwärtsübersetzungen waren damals auf vier begrenzt. Das machte den GTI zwar nicht unbedingt spürbar phlegmatischer, aber lauter. Das lässt den Fronttriebler quirliger erscheinen, als er ist. Tatsächlich braucht der 76er GTI zehn Sekunden vom Stand bis 100 km/h. Am besten erst nach der Fahrt ins Datenblatt schauen. Denn gefühlt geht der Oldtimer richtig gut, setzt Gaspedalbefehle prompt um und liefert moderaten Schub.

Auch vor Kurven muss man sich mit dem Untersteuerer nicht fürchten. Bevor der Wagen in den Graben fährt, quietschen die Reifen lautstark um Hilfe. So richtig präzise rasten die Gänge übrigens nicht ein, aber nach etwas Übung fliegt die Hebel behände durch die Gassen. Und die Übung bekommt man schnell, denn wer den alten Golf dynamisch bewegen will, hat viel zu schalten. Die Spreizungen bei den Übersetzungen fallen groß aus, also muss man öfter mal in den kleinen Gang, um den Vierzylinder rotieren zu lassen.