Darf man sich mit der Vespa in der Stadt durchschlängeln, also zum Beispiel an einer roten Ampel zwischen den Autos nach vorn fahren? Viele machen das hier in Berlin. Aber ist es wirklich erlaubt?, fragt sich ZEIT-ONLINE-Leserin Imke Bode.

Die wenigsten Städte und Ballungsräume sind auf den enormen Kraftverkehr zu den Hauptverkehrszeiten ausgelegt. Deshalb schieben sich Autokolonnen im Schneckentempo vorwärts – selbst wer ein umweltfreundlicheres Verkehrsmittel wie den Linienbus wählt, steckt oft fest, wenn es keine Busspur gibt. Mancher Berufspendler entscheidet sich darum gegen den eigenen Wagen und steigt auf den Roller um.

Natürlich steht niemand gerne im Stau, weder im Auto noch auf dem Rad oder der Vespa, und wartet, bis die Ampel grün anzeigt und die vor einem wartenden Autos weiter rollen. Häufig lässt sich beobachten, wie pfiffige Zweiradfahrer, ob mit oder ohne Motor, von links und rechts nach vorne drängeln, um schneller vorwärts zu kommen.

Rechtlich stellt auch das Durchschlängeln ein Überholen dar, und das ist grundsätzlich nur auf der linken Seite erlaubt. "Befinden sich links von dem Zweirad Fahrzeuge, die in die gleiche Richtung fahren – also nicht etwa Linksabbieger auf einem eigenen Abbiegestreifen – dann ist dies grundsätzlich verboten", erläutert der Rechtsanwalt Markus Matzkeit. "Eine Ausnahme gibt es nur für Fahrradfahrer und Mofafahrer (25er)." Dabei muss aber ausreichend Raum vorhanden sein, und man darf sich nur "mit mäßiger Geschwindigkeit" und "besonderer Vorsicht" durchschlängeln.

Das Kernproblem dabei: Oft ist der Platz so eng, dass die Abstände zu den anderen Autos zu gering sind. Das gilt erst recht für größere Zweiräder. "Auch wenn sich sogenannte 50er nach links schlängeln, ist ein Überholen unzulässig, da ein ausreichender Seitenabstand von einem Meter bis 1,50 Meter nicht eingehalten werden kann", sagt Matzkeit.

Wer es trotzdem versucht, etwa in geschlossenen Ortschaften, dem droht ein Bußgeld von 30 Euro. Außerhalb geschlossener Ortschaften – und das gilt auch bei Autobahnstaus – erhöht sich das Bußgeld auf 100 Euro. "Kommt es zu einem Unfall, wird es stets teurer", fügt der Jurist hinzu.