Was muss ich beachten, wenn ich einen Anhänger am Fahrrad anbringen will, um darin meine Kinder und gelegentlich auch Einkäufe zu transportieren, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Tim Schmitz.

Fahrradanhänger gehören in radfreundlichen Städten zum Stadtbild längst dazu. Der Gesetzgeber hat auf den Trend, insbesondere die Nutzung von Anhängern zum Befördern von Kindern, reagiert und dies mit der großen Novelle der Straßenverkehrsordnung (StVO) 2013 normiert. In Paragraf 21, Absatz 3 ist nun festgelegt, dass in geeigneten Fahrradanhängern bis zu zwei Kinder im Alter bis zum vollendeten siebten Lebensjahr befördert werden dürfen – behinderte Kinder dürfen bis zum 14. Geburtstag im Anhänger sitzen.

Das Gesetz macht des Weiteren keine konkreten Vorgaben in Bezug auf die "Zugmaschine". Der Radfahrer, der mit seinem Rad den Anhänger zieht, muss allerdings selbst mindestens 16 Jahre alt sein, und das von ihm genutzte Fahrrad muss den Anforderungen der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) entsprechen. So sind in Paragraf 67 StVZO die lichttechnischen Voraussetzungen von Fahrrädern geregelt.

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Der Transport von Gegenständen – im Verkehrsrecht gemeinhin als "Lasten" bezeichnet – ist anders als die Beförderung von Kindern nicht in der StVO geregelt. Auch für die Bauweise eines Fahrradanhängers gibt es in Deutschland keine speziellen Vorgaben, es gelten die allgemeinen Vorschriften für Anhänger von Kraftfahrzeugen aus den Paragrafen 63 beziehungsweise 66a der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO). "Das hat mit der tatsächlichen Verkehrstauglichkeit allerdings oft wenig zu tun", bemängelt Schulz.

Im Jahr 1999 wollte das Bundesverkehrsministerium technisch sinnvolle Vorkehrungen treffen und Vorgaben normieren. Zusammen mit dem TÜV entwarf das Ministerium ein Merkblatt für das Mitführen von Anhängern hinter Fahrrädern. Darin sollten insbesondere Sicherheitsanforderungen hinsichtlich der Beförderung von Kleinkindern geregelt und sonstige Bauartvorschriften für Fahrradanhänger verankert werden.

Danach sollen Kinderanhänger, die in einer amtlich genehmigten Bauweise hergestellt worden sind, nicht länger als zwei Meter, nicht breiter als einen Meter und nicht höher als 1,40 Meter sein. Zudem sah der ministerielle Entwurf vor, dass die Gesamtmasse nicht 40 Kilogramm übersteigen durfte. "Die Verordnung ist im Gesetzgebungsverfahren letztlich aufgrund von Differenzen von Bund und Ländern gescheitert. Der Entwurf hat daher bis heute keine Gesetzeskraft, wird aber allgemein als Auslegungshilfe verwendet", sagt Schulz.

Anders ist es in der Schweiz. Dort existieren in der sogenannten Verkehrsregelverordnung (VRV) klare, mit dem Entwurf des deutschen Verkehrsministeriums vergleichbare gesetzliche Vorgaben, wie ein Fahrradanhänger beschaffen sein soll (Artikel 68, Absatz 7 VRV).

"Es ist schon etwas widersprüchlich, dass der Bundesgesetzgeber die Personenbeförderung in Fahrradanhängern einerseits gesetzlich in der StVO normiert und ausdrücklich gestattet, andererseits aber die technischen Voraussetzungen legislativ stiefmütterlich behandelt und Fragen der technischen Sicherheit von Fahrradanhängern nicht eindeutig gesetzlich regelt", kritisiert Schulz. "Wichtige technische Einrichtungen, wie beispielsweise eine nicht rein passive Beleuchtung für Fahrradanhänger, müssten verbindlich festgelegt werden", sagt der Rechtsanwalt.