Ab und zu sieht man Tempolimit-Schilder mit dem Zusatz "bei Nässe". Was bedeutet das konkret? Wann ist es nass? Reicht es schon, dass es regnet?, will ZEIT-ONLINE-Leser Max Kappl wissen.

"Immer wenn es regnet, muss ich an dich denken", sang vor 20 Jahren die Band Freundeskreis – lieferte allerdings keine Erklärung dafür, ob die Straße anschließend nass ist. Gut, immer wenn es ganz doll regnet, ist die Straße nass, das zählt zum Alltagswissen. Aber reicht diese Erklärung auch einem Juristen?

Markus Matzkeit, Rechtsanwalt aus Wülfrath, weist darauf hin, dass in deutschen und europäischen Gesetzbüchern zwar viele Details des täglichen Lebens geregelt sind – aber just dem hier behandelten naturwissenschaftlichen Phänomen entzieht sich die Gesetzgebung: "Was 'Nässe' ist, ist nicht gesetzlich geregelt", sagt Matzkeit. "Es hat sich jedoch in der Rechtsprechung die Definition durchgesetzt, wonach Nässe dann gegeben ist, wenn die Fahrbahn insgesamt mit einem Wasserfilm überzogen ist." Das klingt plausibel und lebenspraktisch zugleich.

Klar ist: "Nässe kann die Straßenverhältnisse erheblich verschlechtern und zu Unfällen führen. Daher gibt es häufig Geschwindigkeitsbegrenzungen, die nur bei Nässe gelten", sagt der Anwalt. Grundsätzlich gilt die generelle Regel aus Paragraf 3 der Straßenverkehrsordnung (StVO): "Wer ein Fahrzeug führt, darf nur so schnell fahren, dass das Fahrzeug ständig beherrscht wird. Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen."

Gefährlich werden nasse Straßen insbesondere wegen des sogenannten Aquaplaning-Effekts, auch Wasserglätte genannt. Es bezeichnet das Aufschwimmen des Reifens, wenn sich ein Wasserfilm auf der nassen Fahrbahn gebildet hat. Dann verlieren die Reifen ihre Bodenhaftung und das Fahrzeug kann ins Schleudern geraten.

Allerdings entsteht auch dann, wenn die Straßen nur feucht sind, ein Schmierfilm, der äußerst gefährlich und rutschig sein kann, wie Matzkeit erläutert. Der Rechtsanwalt empfiehlt deshalb, auch im eigenen Interesse die Geschwindigkeit zu reduzieren, wenn die juristische Anordnung noch nicht greift. "Schließlich will jeder nicht nur Bußgelder vermeiden, sondern auch Unfälle", sagt der Vertrauensanwalt des Automobilclubs von Deutschland (AvD).