Die US-Fluggesellschaft United Airlines sieht sich heftiger Kritik ausgesetzt wegen des gewaltsamen Rausschmisses eines Kunden aus einem Flugzeug. Weil der Passagier das Flugzeug nicht freiwillig verlassen wollte, haben Sicherheitsbeamte den Mann aus einer United Airlines Maschine gezerrt. Der Flug von Chicago nach Louisville war überbucht. Mitreisende Passagiere haben den Vorfall gefilmt und ins Internet gestellt, ein Video zeigt, wie ein Securitymitarbeiter den Passagier über den Boden aus dem Flugzeug schleift. Auf einer anderen Aufnahme ist zu sehen, wie er mit blutigem Gesicht schreit: "Ich muss nach Hause."

Millionen Menschen haben Videos des Vorfalls im Internet geteilt und das Vorgehen der Airline kritisiert. Der Vorstandsvorsitzende von United, Oscar Munoz, entschuldigte sich öffentlich. "Das ist ein Vorfall, der uns bei United alle ärgert", sagte er laut Pressemitteilung. Das Unternehmen werde sich an den betroffenen Passagier wenden. 

In einem Schreiben an Angestellte der Fluggesellschaft unterstützte Munoz jedoch das Vorgehen der Crew. Der Mann habe die Bitten, das Flugzeug zu verlassen, ignoriert. Er sei "Unruhe stiftend und streitlustig" geworden. Deshalb sei es nötig gewesen, die Flughafenpolizei zu rufen. "Unsere Angestellten folgen festen Vorgaben, um mit solchen Situationen umzugehen", schrieb Munoz. Obwohl er den Vorfall bedauere, stehe er hinter den Angestellten.

Überbuchen von Inlandsflügen in USA üblich

United hatte vier Freiwillige gesucht, die das überbuchte Flugzeug wieder verlassen sollten, wie die Zeitung Chicago Tribune berichtete. Einer der Gründe war, dass eine United-Crew dringend an Bord sollte, weil sie für einen Flug am nächsten Morgen in Louisville eintreffen musste. Die Fluggesellschaft bot eine kostenlose Hotelübernachtung sowie 400 Dollar Prämie. Später hat United das Prämienangebot auf 800 Dollar verdoppelt. Da sich keiner gemeldet hatte, wurden Passagiere vom Computer zufällig ausgewählt. Drei Passagiere verließen das Flugzeug, der vierte wehrte sich. Er ging nicht auf das Angebot ein mit der Begründung, er sei Arzt und müsse am nächsten Tag Termine mit Patienten in Louisville einhalten. 

Die zuständige Behörde beurlaubte inzwischen bis zur Klärung der Vorfälle den Sicherheitsbeamten, der den Mann vor laufenden Handykameras von seinem Sitz und durch den Kabinengang gezogen hatte. "Der Vorfall auf dem United-Flug 3411 war nicht im Einklang mit unserem standardmäßigen Prozedere", hieß es in einem Statement der Flugsicherheitsbehörde in Chicago. Die Behörde sei mit den Handlungen nicht einverstanden.

Der Vorfall ist ein PR-Desaster für die Fluglinie. User kritisieren United in den sozialen Netzwerken. Wäre eine Maschine abgestürzt, wäre der Schaden für den Konzern geringer als durch diesen Vorfall, sagte George Hobica, der Vorsitzende des Reise- und Fluglinien-Watchblogs Airfarewatchdog der Chicago Times.

Das Überbuchen von Inlandsflügen ist in den USA üblich. Die Fluggesellschaften rechnen auf vielgebuchten Strecken damit, dass pro Flug einige Passagiere nicht erscheinen und nehmen mehr Buchungen an, als Sitzplätze zur Verfügung stehen. Im vergangenen Jahr mussten nach offiziellen Angaben fast eine halbe Million Fluggäste zurückbleiben, obwohl sie einen Flug gebucht und bezahlt hatten. In den meisten Fällen nehmen sie die Angebote der Fluglinien an, die oft Gutscheine für Rabatte oder Freiflüge ausgeben.