Eine Straße im richtigen Moment zu queren, fällt Kindern bis ins Teenageralter schwer. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler der Universität Iowa in einer Studie. Demnach können Kinder die Distanz zwischen zwei Autos schlecht einschätzen. Auch kommen sie nicht oft genug vom Bürgersteig los, wenn sich eine Möglichkeit bietet, die Straße zu überqueren.

Die Wissenschaftler ließen in der Studie Kinder im Alter von 6, 8, 10, 12 und 14 Jahren in einer virtuellen 3-D-Umgebung eine Straße überqueren. Die virtuellen Autos kamen mit einer Geschwindigkeit von etwa 40 Kilometer pro Stunde auf die Kinder zu. Zwischen einem Fahrzeug und dem nächsten lagen zeitliche Lücken von zwei bis fünf Sekunden. Als Kontrollgruppe dienten Erwachsene. "Viele der Kinder streckten ihre Hand aus und versuchten die Autos zu berühren", sagte eine Autorin der Studie, Elizabeth O'Neal.

Demnach seien unter den 6-jährigen Kindern acht Prozent bei Überquerungsversuchen angefahren worden. Bei den 8-Jährigen gab es nur noch in sechs Prozent aller Versuche einen Zusammenstoß, bei den 10-Jährigen in fünf Prozent und bei den 12-Jährigen nur noch in zwei Prozent. Die 14-Jährigen sowie die Erwachsenen hatten keine Unfälle.

Vor allem kleine Kinder hatten Schwierigkeiten abzuschätzen, ob eine Lücke zwischen zwei Autos groß genug ist, um die Straße zu überqueren. Die zweite Herausforderung für die Kinder ist, die Straße rechtzeitig zu betreten, wenn sich eine Lücke bietet. "Die meisten Kinder wählten gleich große Lücken wie die Erwachsenen zum Überqueren der Straße", sagte O'Neal. "Aber sie sind nicht in der Lage, das Losgehen in den Verkehr zeitlich genauso gut abzupassen." Letztlich hätten sie so weniger Zeit zum Überqueren der Straße. Eltern sollten diese eingeschränkten Fähigkeiten der Kinder berücksichtigen, wenn sie ihnen beibringen, wie man sich im Straßenverkehr verhält. Sie sollten etwa lernen, lieber auf größere Lücken zu warten, als schnell über die Straße gelangen zu wollen.

In Deutschland nimmt die Zahl der tödlichen Unfälle bei Kindern seit Jahrzehnten ab. Im Jahr 2015 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden 84 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr, die meisten davon als Mitfahrer in einem Auto. In den 1950er Jahren waren es noch mehr als 1.000 Kinder. Mehr als 28.000 Kinder verunglückten 2015 insgesamt. Bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil hätten Kinder ein geringeres Unfallrisiko als andere Altersgruppen, hieß es.