Im Ostalbkreis gibt es nicht mehr Jugendliche, die wegen Alkohol, Drogen oder Gewaltdelikten auffallen, als in anderen Regionen Baden-Württembergs. Dennoch war der Landkreis ganz im Osten des Bundeslandes einer der ersten, die an dem Pilotprojekt Gelbe Karte des Stuttgarter Innen- und des Verkehrsministeriums teilgenommen haben – "weil die gelbe Karte gut zu unserem Präventionsprojekt für Kinder und Jugendliche passt", wie Landrat Klaus Pavel sagt. Die Führerscheinstelle des Landratsamts führte gemeinsam mit der Polizei Aalen zum Jahresbeginn 2012 die gelbe Karte ein.

Worum geht es bei der Aktion? "Wer wiederholt betrunken auffällt, dabei randaliert oder gewalttätig ist, ist nicht geeignet, ein Fahrzeug zu führen", sagte der damalige Innenminister Reinhold Gall, als er im August 2011 in Stuttgart das Projekt vorstellte. "Wer also seine Aggressionen nicht im Griff hat, setzt seinen Führerschein aufs Spiel." Landrat Pavel wird konkreter: "Die gelbe Karte sagt: Achtung, du bist aufgefallen. Kommt das wieder vor, kann das Auswirkungen auf deinen Führerschein haben."

Tatsächlich ist die gelbe Karte nicht wirklich eine, wie man sie vom Fußball kennt. Es ist ein Schreiben der Zulassungsstelle an den Delinquenten "zur Vorsorge gegen Gewalt und Alkoholmissbrauch. Sie richtet sich an Personen, bei denen es Zweifel gibt, ob sie am Straßenverkehr teilnehmen sollten." So steht es auf dem zweiseitigen Informationsflyer. Darin wird darüber informiert, welche Auswirkungen ein Fehlverhalten auf Erwerb oder Besitz des Führerscheins haben kann: Jugendliche, die das Schreiben bekommen haben und den Führerschein machen wollen, müssen ihre Eignung eventuell mittels eines medizinisch-psychologischen Gutachtens nachweisen. Jungen Führerscheininhabern droht im Wiederholungsfall der Entzug der Fahrerlaubnis.

"Mir sind keine Vergleichszahlen bekannt"

Das Pilotprojekt lief von 2012 bis Oktober 2016, es nahmen 35 der 44 Fahrerlaubnisbehörden teil. Pro Jahr wurden etwa 1.000 gelbe Karten ausgestellt. "Insgesamt sind nur fünf Prozent noch einmal auffällig geworden", sagt Sven Schüler, Referent für Verkehr und Verkehrsprävention im baden-württembergischen Innenministerium in Stuttgart.

Aus der Zahl schlossen die beiden beteiligten Landesministerien, dass das Verfahren erfolgreich ist, und führten es mit Ablauf des Pilotprojekts flächendeckend in Baden-Württemberg ein. Auch in anderen Bundesländern gibt es die gelbe Karte: Das Polizeipräsidium Trier in Rheinland-Pfalz verschickt sie seit Januar dieses Jahres. Der Warnschuss erfülle seine Wirkung, meinen die Behörden im Südwesten. Die gelbe Karte sei ein heilsamer Schock.

Aber ist sie das wirklich? Was sind die fünf Prozent wert? "Mir sind keine Vergleichszahlen bekannt", sagt die Verkehrspsychologin Andrea Häußler vom TÜV Süd in Stuttgart. Wäre die Rate der Wiederholungstäter vielleicht geringer nach einer Nacht in der Ausnüchterungszelle, gefolgt vom Ärger mit den Eltern? Oder würden ohne gelbe Karte mehr zum zweiten Mal oder noch öfter auffällig? "Es ist wichtig, Jugendliche bereits im Vorfeld an das Thema heranzuführen und aufzuklären", sagt die Psychologin.

Jede Form von Prävention sei eine gute Idee, um bei Jugendlichen missbräuchlichen Umgang mit Drogen und Alkohol vorzubeugen und Randale zu verhindern, findet Häußler. "Die entscheidende Frage ist letztlich: Hat die Androhung negativer Konsequenzen einen erzieherischen Effekt?" Den macht nach Meinung der Psychologin die Mischung aus Androhung von Konsequenzen plus Information. In dem Flyer werden lediglich die Adressen von Beratungsstellen genannt. Deren Besuch ist freiwillig. "Wäre er verpflichtend, wäre der Effekt ein noch größerer", sagt Häußler.