Im April vor 90 Jahren rollte in Göteborg der ÖV4 aus den Fabrikhallen von Volvo – das erste Serienfahrzeug des schwedischen Unternehmens. Der offene Tourenwagen – das ÖV steht für öppen vagn, die Ziffer für die Zahl der Zylinder im Motor bekam den Spitznamen Jakob, fand aber zur zur Enttäuschung der Volvo-Gründer Assar Gabrielsson und Gustaf Larson kaum Käufer. Dabei hatten sich die beiden Unternehmer als erste Autobauer überhaupt zu einem Marken-Credo verpflichtet, das sie bereits bei der Konstruktion des Jakob umsetzten: "Unsere oberste Prämisse muss eines sein und bleiben: Sicherheit."

Der Ur-Volvo, der ÖV4, kam vor 90 Jahren auf den Markt. © Hersteller

Gabrielsson und Larson hatten 1926 den Vorstand des Kugellagerherstellers SKF mit guten Erfolgsaussichten einer Automobilproduktion überredet, überhaupt erst aus der einstigen Versuchsabteilung Volvo – 1915 gegründet – einen formellen Autohersteller zu machen. Doch die beiden Tüftler merkten: Sicherheit allein verkauft sich nicht, zumal, wenn sie kostspielig und unattraktiv verpackt ist. Eine Erkenntnis, die bei Volvo zur Entwicklung von Modellen in modischen Formen führte.

Zunächst entwickelten die Designer Stromlinientypen, ehe 1944 der Volvo PV444 als erster schwedischer Volkswagen folgte, im damals extravaganten Fastbackdesign. Bemerkenswert war die solide Sicherheitstechnik, die den hierzulande liebevoll "Buckel" genannten Volvo zu einem Meilenstein der Automobilgeschichte machte: Der PV444 hatte eine Frontscheibe aus Verbundglas und eine Karosserie mit Sicherheitskäfig. Das Modell machte Volvo 1951 in der schwedischen Neuzulassungsstatistik zur Nummer eins, vor Volkswagen.

Noch erfolgreicher wurden die folgenden Volvo, ob der Amazon oder die kantigen 240er und 850er Kombis. Sie alle sind Legende – auch weil sie Sicherheitsgurte, Kindersitze oder Airbags popularisierten. Der PV544 und der Amazon hatten ab 1959 serienmäßig Dreipunkt-Sicherheitsgurte für die Vordersitze, die folgenden Modelle hatten unter anderem die erste Sicherheitslenksäule. Ab 1964 testete Volvo Prototypen rückwärtsgerichteter Kindersitze.

"Sicherheit aus Schwedenstahl"

Bis 1970 blieb der Amazon in Produktion, da war Volvo in Deutschland nach einem eher holprigen Start der Durchbruch gelungen. Dies ebenfalls mit Sicherheitstechnik, die auf spektakuläre Weise im 1961 lancierten Sportwagen Volvo P1800 präsentiert wurde: Der damals populärste Stuntman Armin Dahl demonstrierte in Hamburg mit einem an Gurten aufgehängten 1800 Coupé die Belastbarkeit des Dreipunktgurtes.

Zum Verkaufsschlager besonders bei Familien wurde dann die 1966 vorgestellte 140er Serie, die optisch klare Kante zeigte. Dies kombiniert mit "Sicherheit aus Schwedenstahl", wie der eingängige Werbeslogan in Deutschland lautete. Noch ein Novum: Mit dem Thema Sicherheit zielte Volvo erstmals auf Frauen als Käufer für die großen Familien- und Businessliner. In der Werbung spiegelte sich das durch Anzeigen, in der eine Frau feststellt: "Ich bin vernarrt in diesen Wagen, den viele gar nicht kennen, weil sie nicht darüber nachdenken, dass Sicherheit befreien kann." Oder durch das provozierende Bild einer Frau, auf deren entblößtem Oberkörper Druckstreifen des Sicherheitsgurtes zu sehen sind: "Ich liebe das Leben. In ein paar Tagen wird nicht einmal der Druckstreifen an den Unfall erinnern."

Sicherheit war bei Volvo Dauerthema: ob Knautschzonen in der Karosserie, Sicherheitstürschlösser oder Sicherheitsgurte für die Fondsitze. 1968 stellte der schwedische Hersteller als Sicherheitsinnovation Kopfstützen für die Rücksitze vor. Ab 1971 zeigte eine Warnlampe an, wenn die Sicherheitsgurte nicht angelegt sind. Später waren es energieabsorbierende Stoßfänger, Seitenaufprallschutz oder Außenspiegel mit Weitwinkel-Optik, womit Volvo im internationalen Vergleich positiv auffiel.