Oft ignorieren Autofahrer Fußgänger, die am Zebrastreifen warten. Muss ich als Fußgänger einem Autofahrer ein Zeichen geben, dass ich die Straßen überqueren will?, fragt ZEIT-ONLINE-Leser Lothar Böttger.

Die Rechtslage lässt keinen Zweifel zu: Laut Paragraf 26, Absatz 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) haben Autofahrer Fußgängern, die an einem Zebrastreifen diesen erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Sie dürfen nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren und müssen, wenn nötig, warten.

"Die Gerichte interpretieren die Vorschrift so, dass ein Fußgänger kein ausdrückliches Zeichen geben muss", erläutert der Jurist Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland (AvD). "Grundsätzlich sollte der Kraftfahrer sofort anhalten, wenn er sieht, dass Fußgänger den Überweg betreten oder ihr Verhalten nahelegt, dass sie beabsichtigen, den Zebrastreifen zu betreten."

Engelmohr zitiert ein Urteil des Oberlandesgerichts (OLG) München. Dort hatten die Richter geurteilt, dass "ein merkliches Verhalten des Fußgängers" beim Kraftfahrer die Erwartung wecken müsse, ihm werde die Vorbeifahrt gestattet. Ein Fahrer hat dann die Verpflichtung, die gesamte Fahrbahn zu beobachten, "um rechtzeitig auch bei sich ständig verringerndem Abstand zum Fußgänger reagieren zu können" (Az.: 10 U 750/13).

"Etwas anderes gilt ausnahmsweise nur dann, wenn ein vorsichtiges Weiterfahren den Fußgänger bei normalem Weitergehen nicht beeinflusst, also ihn in keiner Weise beeinträchtigen kann", sagt Engelmohr. Dieser Ausnahmefall sei bei einem außergewöhnlich langen oder in der Mitte geteilten Überweg oder sonst nach Verständigung zwischen Fahrzeugführer und Fußgänger denkbar. So sah es das Thüringer Oberlandesgericht (Az.: 1 Ss Bs 30/11).

Wie in allen anderen Situationen gilt auch hier, dass alle Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen sollen. Darum sollten Fußgänger an den für sie vorgesehenen Überwegen ihren Vorrang nicht erzwingen oder achtlos den Zebrastreifen betreten. Auch auf diese Sorgfaltspflicht weist das OLG München hin: Im Dunkeln haben Fußgänger die Pflicht, den Fahrverkehr mit Sorgfalt zu beachten und bei erkennbarer Gefährdung durch nahe Fahrzeuge auch am Zebrastreifen abzuwarten (Az.: 10 U 750/13). Die jedem Verkehrsteilnehmer auferlegte Pflicht zur Vorsicht und Verkehrsbeobachtung (Paragraf 1 Absatz 1 StVO) gilt auch hier, erläutert AvD-Fachmann Engelmohr.