Lang-Lkw - Umstrittene Riesenlaster Seit Anfang des Jahres sind Lang-Lkw, umgangssprachlich Gigaliner genannt, für den Regelbetrieb auf Deutschlands Straßen zugelassen. Was spricht für, was gegen die großen Lastwagen? © Foto: Zeit Online

Die Deutsche Umwelthilfe, der Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) und die Allianz pro Schiene planen, gegen die Zulassung von Riesenlastern auf deutschen Straßen zu klagen. Die zu Jahresbeginn von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) erteilte Freigabe der sogenannten Gigaliner verstoße gegen EU-Recht, kritisieren die Umweltverbände.

Dobrindt hatte entschieden, dass mehrere Typen der Laster nach einem mehrjährigen Feldversuch seit Januar 2017 auch regulär auf einem bis zu 11.600 Kilometer langen Straßennetz fahren dürfen. Ein Überschreiten der festgelegten Höchstabmessungen für Lastwagen sei nur ausnahmsweise oder in Testphasen möglich, argumentieren die Umweltverbände. Gigaliner hingegen dürfen bis zu 25,25 Meter – und somit 6,50 Meter länger als herkömmliche Lkw – sein.

Die Verbände kritisieren, dass Fahrten der Riesenlaster nach wie vor gefördert und verbilligt würden. Dies schade dem Gütertransport im Schienenfernverkehr. Dabei würden Umwelt- und Klimaschutz sowie die Sicherheit auf der Strecke vernachlässigt. Die Klage sei am Dienstag beim Verwaltungsgericht Berlin eingereicht worden, hieß es. Außerdem entstünden durch ihre Nutzung höhere Risiken für andere Verkehrsteilnehmer – etwa weil der Überholvorgang länger dauert oder die Nothaltebuchten in Tunneln nicht lang genug sind. Die Studie zum Feldversuch konnte allerdings keine belastbaren Aussagen zum Unfallrisiko durch Lang-Lkw machen.

Dobrindt hatte ein positives Fazit aus dem Test mit den Riesenlastern gezogen: Die Bundesanstalt für Straßenwesen kam zu dem Schluss, dass zwei Fahrten mit Gigalinern drei Fahrten mit normalen Lastwagen ersetzen können. Damit könnte Kraftstoff und CO2 eingespart werden. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) teilte mit, Lang-Lkw erfüllten höchste Sicherheitsstandards und nähmen unauffällig am Verkehr teil. Bei kombinierten Transporten mit der Bahn leisteten sie sogar einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Schiene.

Die Opposition begrüßte die Klage der Verbände. Der Linken-Verkehrsexperte Herbert Behrens warf Dobrindt vor, Klientelpolitik für die Autoindustrie zu betreiben. Deren Auftragsbücher dürften durch die Zulassung gefüllt werden, sagte Behrens. Grünen-Verkehrspolitiker Stephan Kühn sagte, der Umwelt sei nicht geholfen, wenn Straßengüterverkehr durch Riesenlaster billiger werde.

Bisher haben 15 von 16 Bundesländern Strecken für Gigaliner ausgewiesen. Noch nicht dabei ist Berlin. Die von Rheinland-Pfalz und dem Saarland gemeldeten Strecken prüft das Bundesverkehrsministerium derzeit.