Eine Mehrheit der Radfahrer fühlt sich in deutschen Städten nicht sicher. Das ist eines der Ergebnisse des Fahrradklima-Tests 2016, den der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) gemeinsam mit dem Bundesverkehrsministerium veröffentlicht hat. Demnach gaben 60 Prozent der insgesamt 120.000 Befragten an, sich unsicher zu fühlen. Auch der massenhafte Fahrraddiebstahl in fast allen Städten wird als schwerwiegendes Problem wahrgenommen.

Die Erhebung des ADFC bestand aus 27 Fragen, wie etwa: "Macht das Radfahren in Ihrer Stadt Spaß oder Stress?" oder "Sind die Wege für Radfahrende angenehm breit oder zu schmal zum Überholen?". Bewertet wurde nach dem Schulnoten-Prinzip mit Werten zwischen eins und sechs. Für die Erfassung und Bewertung der Ergebnisse spielte auch die Größe der 539 Städte eine Rolle. Unterschieden wurde nach Kommunen mit weniger als 50.000 Einwohnern, Städten mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern, mittelgroßen Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern und Großstädten mit mehr als 200.000 Bürgern.

Wo Radfahren Spaß macht

Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Test 2016 für ausgewählte deutsche Städte ab 200.000 Einwohner

Quelle: ADFC/fahrradklima-test.de

In der Gruppe der Großstädte mit mehr als 200.000 Einwohnern führen Münster, Karlsruhe und Freiburg im Breisgau die Liste an. Die Bewertung dieser drei fahrradfreundlichen Städte hat sich aber verschlechtert: Insbesondere in der Studentenstadt Münster vergaben die Radfahrer nur noch die Note 3,07 – was nach Angaben des ADFC eine starke Verschlechterung zu den vorherigen Jahren darstellt. Nach Einschätzung des Verbands stehe die Stadt vor "großen, ungelösten Problemen durch eine inzwischen unterdimensionierte Infrastruktur sowie steigende Unfallzahlen".

Neben den Spitzenreitern haben die Tester Aufholer gekürt. Das sind Städte, die aus der Sicht der Radfahrer die größten Verbesserungen erreichten. Dazu zählen aktuell Bochum, Marburg, Pforzheim und Baunatal (Hessen). 

Einige kleinere Städte konnten sich den Ergebnissen zufolge "durch leicht umzusetzende Maßnahmen" verbessern. Dazu zählt der Verband beispielsweise Werbung für das Radfahren, Öffnung von Einbahnstraßen oder einen Winterdienst auf Radwegen. Diese Maßnahmen würden von den Befragten allerdings als weniger wichtig eingeschätzt. Am wichtigsten sei den Befragten das Sicherheitsgefühl beim Radfahren, die Qualität – also Breite und Oberfläche – der Radwege und die zügige Erreichbarkeit von Zielen. Gerade bei diesen wichtigen Aspekten sei der Gesamttrend jedoch negativ.

Auch die Gesamtwertung hat sich dementsprechend verschlechtert: Das Fahrradklima – also die wahrgenommene Fahrradfreundlichkeit deutscher Städte und Gemeinden – hat sich nach Angaben des ADFC seit der letzten Umfrage von 2014 leicht verschlechtert und sank von 3,74 auf 3,81.

Vorbild Utrecht

Der ADFC fordert deshalb deutlich höhere Investitionen in den Radverkehr. Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagte: "Deutsche Städte brauchen deutlich mehr Platz und Geld für den Radverkehr! Utrecht, Amsterdam oder Kopenhagen geben 30 Euro und mehr pro Kopf und Jahr für den Radverkehr aus und nehmen dem Autoverkehr Stück für Stück Flächen weg." In Deutschland hingegen "liegen wir fast überall deutlich unter fünf Euro und malen schmale Streifen auf die Straße", kritisierte Stork. Wenn Deutschland ernsthaft Autoverkehr auf das Rad verlagern wolle, seien mutige Politiker und Pro-Kopf-Investitionen von 30 Euro pro Jahr notwendig – "und zwar intelligent verteilt auf die Schultern von Bund, Ländern und Kommunen", so Stork.

Für eine fahrradfreundliche Stadt müssten nach Ansicht des ADFC Radwege systematisch von Falschparkern, Baustellen und anderen Hindernissen freigehalten werden. Die Oberfläche müsse leichtläufig und gut gepflegt sein. An wichtigen Knotenpunkten des öffentlichen Nahverkehrs sowie an öffentlichen Einrichtungen, Einkaufszentren und in Wohngebieten müsse es ein großzügiges Angebot "an sicheren und komfortablen Fahrradabstellplätzen" geben. Außerdem wichtig sei eine für Radfahrer optimierte Ampelschaltungen, klar geregelte Vorfahrt auf Fahrradstraßen und in Kreiseln sowie die Förderung eines rücksichtsvollen Verkehrsklimas.