"Ich möchte meine Tochter auf dem Rad mitnehmen. Was gibt es bei Kindersitzen zu beachten?", fragt ZEIT-ONLINE-Leser Thomas Winter.

Im Frühling und Sommer packen viele Eltern ihre Kinder aufs Fahrrad, um sie zur Kita oder in den Kindergarten zu bringen. "Die Beförderung von Kindern bis zum siebten Lebensjahr ist ausschließlich in einem Kindersitz zulässig", sagt der Rechtsanwalt Falk Schulz aus Münster. Keinen Unterschied macht es dagegen, ob das Kind in einem eigenen Sitz vorne auf dem Fahrrad, also zwischen Lenker und Fahrer, sitzt oder hinten.

Auf dem Gepäckträger darf man keine Kinder mitnehmen, ganz unabhängig von ihrem Alter. Denn Paragraf 21, Absatz 3 der Straßenverkehrsordnung (StVO) legt ausdrücklich fest, dass die Beförderung nur in "besonderen Sitzen" erlaubt ist. Außerdem ist dort geregelt, wie ein Fahrradkindersitz beschaffen sein muss, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. "Mit Radverkleidungen oder gleich wirksamen Vorrichtungen müssen die Erwachsenen Sorge tragen, dass die Füße der Kinder nicht in die Speichen geraten können", erläutert Schulz die Verordnung.

Anders als bei den Kindersitzen in Kraftfahrzeugen macht die StVO jedoch keine weiteren Vorgaben, wie ein Kindersitz auf dem Rad aussehen sollte. Es gibt lediglich Richtlinien für Kindersitze an Fahrrädern, die im Verkehrsblatt des Bundesverkehrsministeriums niedergelegt sind (VkBl., 1980, 788). Sie konkretisieren die allgemeinen Grundsätze zur Beschaffenheit von Fahrzeugen in Paragraf 30 der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO).

Ergänzt werden diese durch eine seit 2004 europaweit gültige Industrienorm. DIN EN 14344 definiert Fahrradsitze für Kinder, die zwischen neun und 22 Kilogramm wiegen. "Dort werden Beschaffenheitsfragen der Sitze sowie Sicherheits- und Prüfkriterien verbindlich festgelegt", sagt Schulz. "Wünschenswert wäre, der Gesetzgeber würde Mindestanforderungen an Fahrradkindersitze in der StVO verbindlich festschreiben, so wie er es auch bei den Autokindersitzen getan hat."

Befördert ein Radfahrer ein Kleinkind ohne Kindersitz auf dem Gepäckträger, kann ihn bei einem Unfall sogar ein Mitverschulden treffen, wenn die rechtswidrige Nutzung des Fahrrads und die dadurch bedingte Instabilität des Fahrrads für den Unfall mitverantwortlich ist. Das entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 10 U 102/88). Und eine Vorgabe ist auf jeden Fall klar: Wer Kinder mit dem Rad transportieren möchte, muss selbst mindestens 16 Jahre alt sein.